5p7d.md (1429B)
1 Wir betrachten ein Ding nicht vermöge des Affekts, durch welchen wir es 2 vorstellen, als abwesend, sondern deshalb, weil der Körper von einem andern 3 Affekt erregt wird, welcher die Existenz dieses Dinges ausschließt (nach 4 Lehrsatz 17, Teil 2). Daher ist ein Affekt, der sich auf ein Ding bezieht, das 5 wir als abwesend betrachten, nicht von solcher Natur, daß er die übrigen 6 Handlungen des Menschen und sein Vermögen übertrifft (s. hierüber Lehrsatz 6, 7 Teil 4), vielmehr ist er von solcher Natur, daß er von denjenigen Erregungen, 8 welche die Existenz ihrer äußern Ursache ausschließen, auf gewisse Weise 9 eingeschränkt werden kann (nach Lehrsatz 9, Teil 4). – Ein Affekt aber, der aus 10 der Vernunft entspringt, bezieht sich notwendig auf die gemeinsamen 11 Eigenschaften der Dinge (s. die Definition der Vernunft in der 2. Anmerkung zu 12 Lehrsatz 40, Teil 2), die wir immer als gegenwärtig betrachten (denn es kann 13 nichts geben, was ihre gegenwärtige Existenz ausschließt) und immer auf dieselbe 14 Weise vorstellen (nach Lehrsatz 38, Teil 2). Daher bleibt ein solcher Affekt 15 stets derselbe, und folglich müssen (nach Axiom I dieses Teils) die Affekte, die 16 ihm entgegengesetzt sind und die von ihren äußeren Ursachen nicht genährt 17 werden, sich ihm mehr und mehr anbequemen, bis sie nicht mehr entgegengesetzt 18 sind. Und insofern ist ein Affekt, der aus ›der Vernunft entspringt, der 19 stärkere. – W.z.b.w. 20 21