5p39sc.md (1766B)
1 Weil die menschlichen Körper zu sehr vielem befähigt sind, so unterliegt es 2 keinem Zweifel, daß sie von solcher Natur sein können, daß sie zu Geistern 3 gehören, welche von sich und von Gott eine große Erkenntnis haben und deren 4 größter oder hauptsächlichster Teil ewig ist, und zwar dermaßen, daß sie den Tod 5 kaum fürchten. 6 7 Damit aber dies klarer verstanden werde, muß hier darauf aufmerksam gemacht 8 werden, daß wir in beständiger Veränderung leben und daß wir, je nachdem wir uns 9 zum Besseren oder Schlechteren verwandeln, glücklich oder unglücklich heißen. 10 Denn wenn ein Kind oder ein Knabe eine Leiche wird, so heißt das unglücklich; 11 umgekehrt wird es zum Glück gerechnet, wenn wir unsere ganze Lebenszeit mit 12 gesundem Geist in gesundem Körper verleben konnten. Und wirklich, wer wie ein 13 Kind oder ein Knabe einen zu sehr wenigem befähigten und meistens von äußern 14 Ursachen abhängigen Körper hat, der hat einen Geist, welcher, für sich allein 15 betrachtet, fast gar kein Bewußtsein von sich noch von Gott oder von den Dingen 16 hat. Umgekehrt, wer einen zu sehr vielem befähigten Körper hat, der hat einen 17 Geist, welcher, für sich allein betrachtet, viel Bewußtsein von sich wie von 18 Gott und von den Dingen hat. In diesem Leben also streben wir vor allem dahin, 19 daß sich der Körper des Kindes, soweit es seine Natur zuläßt und soweit es ihm 20 zuträglich ist, in einen andern verwandle, der zu sehr vielem befähigt ist und 21 der zu einem Geist gehört, der sehr viel Bewußtsein von sich, von Gott und von 22 den Dingen hat; und zwar so, daß alles, was zu seiner Erinnerung oder seiner 23 Vorstellung gehört, im Verhältnis zur Erkenntnis kaum von Erheblichkeit ist, wie 24 ich in der Anmerkung zum vorigen Lehrsatz bereits gesagt habe. 25 26