4p56d.md (929B)
1 Die erste Grundlage der Tugend ist, sein Sein zu erhalten (nach Zusatz zu 2 Lehrsatz 22 dieses Teils), und zwar nach der Leitung der Vernunft (nach Lehrsatz 3 24 dieses Teils). Wer also sich selbst nicht kennt, kennt nicht die Grundlage 4 aller Tugenden und folglich auch nicht diese Tugenden selbst. Aus Tugend handeln 5 ist ferner nichts anderes, als nach der Leitung der Vernunft handeln (nach 6 Lehrsatz 24 dieses Teils). Wer aber nach der Leitung der Vernunft handelt, muß 7 notwendig wissen, daß er nach der Leitung der Vernunft handelt (nach Lehrsatz 8 43, Teil 2). Wer also sich selbst und folglich (wie eben gezeigt worden) alle 9 Tugenden am wenigsten kennt, der handelt am wenigsten aus Tugend, d.h. (wie aus 10 Definition 8 dieses Teils erhellt), er ist am meisten geistig unvermögend. 11 Folglich bekundet (nach dem vorigen Lehrsatz) der größte Hochmut und der größte 12 Kleinmut das größte geistige Unvermögen. – W.z.b.w. 13 14