4p50csc.md (1049B)
1 Wer richtig erkannt hat, daß alles aus der Notwendigkeit der göttlichen Natur 2 folgt und nach den ewigen Gesetzen und Regeln der Natur geschieht, der wird 3 sicherlich nichts finden, was Haß, Spott oder Verachtung verdient, noch wird er 4 jemand bemitleiden, sondern er wird streben, soweit die menschliche Tugend es 5 vermag, gut zu handeln, wie man sagt, und fröhlich zu sein. – Hierzu kommt 6 noch, daß, derjenige, welcher leicht vom Affekt des Mitleids ergriffen und von 7 dem Unglück und den Tränen eines andern bewegt wird, oft etwas tut, was ihn 8 selbst später reut; sowohl weil wir im Affekt nichts tun, wovon wir gewiß 9 wissen, daß es gut ist, als auch, weil wir leicht durch falsche Tränen betrogen 10 werden. 11 12 Ich spreche jedoch hier ausdrücklich nur von einem Menschen, der nach der 13 Leitung der Vernunft lebt. Denn wer weder durch die Vernunft noch durch Mitleid 14 bewegt wird, andern Hilfe zu leisten, der wird mit Recht unmenschlich genannt, 15 denn er scheint (nach Lehrsatz 27, Teil 3) mit einem Menschen keine Ähnlichkeit 16 zu haben. 17 18