ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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4p39sc.md (1749B)


 1 Wie viel dies dem *Geiste* schaden oder nützen kann, wird im fünften Teil erörtert
 2 werden. Hier ist nur zu bemerken, daß ich das *Sterben* so verstehe: Der Körper
 3 stirbt dann, wenn seine Teile so disponiert werden, daß sie ein anderes
 4 Verhältnis von Bewegung und Ruhe zueinander annehmen. Ich wage nämlich nicht in
 5 Abrede zu stellen, daß der menschliche Körper, auch wenn der Kreislauf des Bluts
 6 und anderer Vorgänge, die als Merkmale des Lebens gelten, noch fortdauern,
 7 dennoch in eine andere, von der seinigen völlig verschiedene Natur verwandelt
 8 werden kann. Denn kein Grund zwingt mich zu behaupten, daß der menschliche
 9 Körper erst dann stirbt, wenn er in eine Leiche verwandelt wird. Vielmehr
10 überzeugt uns die Erfahrung selbst, wie mir scheint, eines andern. Kommt es doch
11 mitunter vor, daß ein Mensch solche Veränderungen erleidet, daß man ihn kaum für
12 denselben halten möchte. So habe ich von einem spanischen Dichter erzählen
13 hören, der von einer Krankheit befallen war und, obgleich von derselben genesen,
14 doch die Erinnerung an sein vergangenes Leben auf die Dauer vergessen hatte,
15 dermaßen, daß er die Fabeln und Trauerspiele, die er selbst verfaßt hatte, nicht
16 für die seinigen hielt und daß man ihn gewiß für ein großes Kind hätte halten
17 können, wenn er auch seine Muttersprache vergessen hätte. – Wenn dies
18 unglaublich erscheint, was sollen wir von den Kindern sagen, deren Natur der
19 erwachsene Mensch von der seinigen so verschieden ansieht, daß er sich nicht
20 würde überreden können, er sei jemals ein Kind gewesen, wenn er nicht von andern
21 auf sich schließen müßte. – Um jedoch abergläubischen Leuten keinen Stoff zu
22 neuen Querfragen zu geben, will ich hier lieber abbrechen.
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