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1 Damit glaube ich die Ursache dargelegt zu haben, weshalb die Menschen mehr von 2 ihrer Meinung als von der wahren Vernunft sich bewegen lassen und weshalb die 3 wahre Erkenntnis des Guten und Schlechten in der Seele Aufregungen verursacht 4 und häufig Lüsten aller Art den Platz räumt; was jenen Dichtervers[fn5] 5 eingegeben hat: 6 7 »… Das Bessere seh' ich und lob' ich, 8 9 Schlechterem folg' ich jedoch.« 10 11 Dies scheint auch der Prediger Salomo im Sinne gehabt zu haben, wenn er 12 sagt[fn6]: 13 14 »Wer das Wissen mehrt, mehrt den Schmerz.« 15 16 Indessen sage ich das nicht deshalb, um daraus den Schluß zu ziehen, daß das 17 Nichtwissen vorteilhafter sei als das Wissen oder daß kein Unterschied sei 18 zwischen dem Verständigen und dem Dummen in bezug auf die Bezähmung der Affekte; 19 sondern deshalb, weil es notwendig ist, sowohl das Vermögen als das Unvermögen 20 unserer Natur zu kennen, um bestimmen zu können, was die Vernunft im Bezähmen 21 der Affekte vermag und nicht vermag. In diesem Teil werde ich, wie schon gesagt, 22 bloß das menschliche Unvermögen behandeln; die Macht der Vernunft über die 23 Affekte will ich in einem besondern Teil behandeln. 24 25