ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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 1 Die *Leutseligkeit*, d.h. die Begierde, den Menschen zu gefallen, gehört, wenn sie
 2 aus der Vernunft hervorgeht, zur Frömmigkeit (wie in Zusatz I zu Lehrsatz
 3 37,Teil 4, gesagt wurde). Entspringt sie aber aus dem Affekt, so ist sie Ehrgeiz
 4 oder eine Begierde, durch welche die Menschen unter dem falschen Schein der
 5 Frömmigkeit meist Zwietracht und Aufruhr erregen. Denn wer die Nebenmenschen mit
 6 Rat oder Tat zu unterstützen strebt, daß sie, wie er selbst, des höchsten Guts
 7 teilhaftig seien, der wird in erster Linie darnach trachten, sich ihre Liebe zu
 8 gewinnen; er wird aber nicht darauf ausgehen, von ihnen bewundert zu werden,
 9 damit seine Lehre nach seinem Namen benannt werde, und wird ihnen überhaupt
10 keinerlei Anlaß zum Neid geben. Auch wird er sich im gewöhnlichen Gespräch
11 hüten, die Laster der Menschen aufzuzählen, und über das menschliche Unvermögen
12 wird er nur spärlich zu sprechen suchen, desto mehr dagegen von der menschlichen
13 Tugend oder dem menschlichen Vermögen und über die Mittel, durch welche dieses
14 vervollkommnet werden kann; damit so die Menschen nicht aus Furcht oder
15 Abneigung, sondern von dem Affekt der Lust allein angetrieben, nach der
16 Vorschrift der Vernunft, so gut sie können, zu leben streben.
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