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1 Die *Leutseligkeit*, d.h. die Begierde, den Menschen zu gefallen, gehört, wenn sie 2 aus der Vernunft hervorgeht, zur Frömmigkeit (wie in Zusatz I zu Lehrsatz 3 37,Teil 4, gesagt wurde). Entspringt sie aber aus dem Affekt, so ist sie Ehrgeiz 4 oder eine Begierde, durch welche die Menschen unter dem falschen Schein der 5 Frömmigkeit meist Zwietracht und Aufruhr erregen. Denn wer die Nebenmenschen mit 6 Rat oder Tat zu unterstützen strebt, daß sie, wie er selbst, des höchsten Guts 7 teilhaftig seien, der wird in erster Linie darnach trachten, sich ihre Liebe zu 8 gewinnen; er wird aber nicht darauf ausgehen, von ihnen bewundert zu werden, 9 damit seine Lehre nach seinem Namen benannt werde, und wird ihnen überhaupt 10 keinerlei Anlaß zum Neid geben. Auch wird er sich im gewöhnlichen Gespräch 11 hüten, die Laster der Menschen aufzuzählen, und über das menschliche Unvermögen 12 wird er nur spärlich zu sprechen suchen, desto mehr dagegen von der menschlichen 13 Tugend oder dem menschlichen Vermögen und über die Mittel, durch welche dieses 14 vervollkommnet werden kann; damit so die Menschen nicht aus Furcht oder 15 Abneigung, sondern von dem Affekt der Lust allein angetrieben, nach der 16 Vorschrift der Vernunft, so gut sie können, zu leben streben. 17 18