3p56d.md (2394B)
1 Lust und Unlust und folglich auch die Affekte, welche aus diesen zusammengesetzt 2 sind oder von diesen abgeleitet werden, sind Leiden (nach Anmerkung zu Lehrsatz 3 11 dieses Teils). Wir leiden aber notwendig (nach Lehrsatz 1 dieses Teils), 4 sofern wir inadäquate Ideen haben; und nur insofern leiden wir, sofern wir diese 5 haben (nach Lehrsatz 3 dieses Teils). Das heißt (s. Anmerkung zu Lehrsatz 40, 6 Teil 2), nur insofern leiden wir notwendig, sofern wir (sinnliche) Vorstellungen 7 haben oder (s. Lehrsatz 17, Teil 2, mit seiner Anmerkung) sofern wir von einem 8 Affekt erregt werden, welcher die Natur unseres Körpers und die Natur des äußern 9 Körpers in sich schließt. Die Natur eines jeden Leidens muß also notwendig so 10 erklärt werden, daß die Natur des Objekts, von dem wir erregt werden, damit 11 ausgedrückt wird. Nämlich die Lust, welche aus einem Objekt, z.B. A, entspringt, 12 schließt die Natur des Objekts A selbst in sich, und die Lust, die aus dem 13 Objekt B entspringt, schließt die Natur des Objekts B in sich. Daher sind diese 14 beiden Affekte der Lust ihrer Natur nach verschieden, weil sie von Ursachen 15 verschiedener Natur herrühren. So ist auch der Affekt der Unlust, welcher aus 16 dem einen Objekt entspringt, seiner Natur nach verschieden von der Unlust, die 17 von einer andern Ursache herrührt. Dasselbe gilt auch von der Liebe, dem Haß, 18 der Hoffnung, der Furcht, dem Schwanken des Gemüts usw. Also gibt es notwendig 19 ebenso viele Arten von Lust, Unlust, Liebe, Haß usw., als es Arten von Objekten 20 gibt, von denen wir erregt werden. 21 22 Die Begierde aber ist eines jeden Wesen oder Natur selbst, sofern sie als durch 23 irgendeinen gegebenen Zustand derselben zu irgendeiner Tätigkeit bestimmt 24 begriffen wird (s. Anmerkung zu Lehrsatz 9 dieses Teils). Je nachdem also jemand 25 durch äußere Ursachen von dieser oder jener Art der Lust, der Unlust, der Liebe, 26 des Hasses usw. erregt wird, d.h. je nach dem Zustand seiner Natur, muß seine 27 Begierde notwendig bald so, bald anders sein, und die Natur der einen muß 28 notwendig von der Natur der andern genauso verschieden sein, wie die Affekte, 29 aus denen jede entspringt, sich voneinander unterscheiden. Also gibt es ebenso 30 viele Arten von Begierden, als es Arten von Lust, Unlust, Liebe usw. gibt, und 31 folglich auch (nach dem bereits Gezeigten) so viele, als es Arten von Objekten 32 gibt, von denen wir erregt werden. – W.z.b.w. 33 34