ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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 1 Diese mit der Idee unserer Schwäche verbundene Unlust wird *Niedergeschlagenheit*
 2 genannt. Die Lust dagegen, die aus der Betrachtung unserer selbst entspringt,
 3 heißt *Selbstliebe* oder *Selbstzufriedenheit*. Und da diese Lust ebensooft
 4 wiederkehrt, sooft der Mensch seine Vorzüge oder sein Tätigkeitsvermögen
 5 betrachtet, so kommt es folglich auch daher, daß jeder so gerne seine Taten
 6 erzählt und sowohl seine körperlichen wie seine geistigen Kräfte an den Tag
 7 legt, so daß die Menschen einander damit lästig werden. – Hierausfolgt
 8 wiederum, daß die Menschen von Natur mißgünstig sind (s. die Anmerkung zu
 9 Lehrsatz 24 und die Anmerkung zu Lehrsatz 32 dieses Teils) oder daß sie sich
10 über die Schwäche ihrer Nebenmenschen freuen, über deren Vorzüge dagegen sich
11 ärgern. Denn sooft jeder sich seine Taten vorstellt, ebensooft wird er von Lust
12 erregt (nach Lehrsatz 53 dieses Teils), und um so mehr, je mehr Vollkommenheit
13 seine Taten nach seiner Vorstellung ausdrücken und je deutlicher er sich
14 dieselben vorstellt, d.h. (nach dem, was in der 1. Anmerkung zu Lehrsatz 40,
15 Teil 2, ausgeführt ist), je mehr er dieselben von andern unterscheiden und als
16 etwas Besonderes betrachten kann. Deshalb wird jeder bei der Betrachtung seiner
17 selbst sich dann am meisten freuen, wenn er etwas an sich betrachtet, was er von
18 andern verneint. Wenn aber das, was er von sich bejaht, zur allgemeinen Idee des
19 Menschen oder der lebenden Wesen gehört, so wird er sich nicht so sehr freuen.
20 Umgekehrt wird er Unlust empfinden, wenn er sich vorstellt, daß seine Handlungen
21 im Vergleich mit den Handlungen anderer schwächer sind. Von dieser Unlust wird
22 er sich zwar (nach Lehrsatz 28 dieses Teils) zu befreien suchen, und zwar
23 dadurch, daß er die Handlungen seiner Nebenmenschen mißdeutet oder seine
24 eigenen, soviel er vermag, herausstreicht.
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26 Es erhellt demnach, daß die Menschen von Natur zu Haß und Mißgunst geneigt sind.
27 Diese Neigung wird noch durch die Erziehung gefördert. Denn die Eltern pflegen
28 ihre Kinder nur durch den Stachel des Ehrgeizes und des Neids zur Tugend
29 anzueifern. – Vielleicht bleibt aber noch der Einwand, daß wir nicht selten die
30 Tugenden der Menschen bewundern und dieselben hochschätzen. Um diesen Einwand zu
31 beseitigen, will ich noch folgenden Zusatz beifügen.
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