ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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3p51sc.md (2472B)


 1 Wir ersehen hieraus, wie es geschehen kann, daß der eine liebt, was der andere
 2 haßt, und daß der eine fürchtet, was der andere nicht fürchtet; wie auch, daß
 3 derselbe Mensch jetzt liebt, was er früher gehaßt hat, und jetzt wagt, was er
 4 früher gefürchtet hat usw.
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 6 Weil ferner jeder nach seinem Affekt beurteilt, was gut und was schlecht, was
 7 besser und was schlimmer ist (s. Anmerkung zu Lehrsatz 39 dieses Teils), so
 8 folgt, daß die Menschen sowohl in ihrem Urteil als in ihrem Affekt verschieden
 9 sein können.[fn3]
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11 Daher kommt es, daß, wenn wir die einen mit den andern vergleichen, wir sie nach
12 der bloßen Verschiedenheit ihrer Affekte voneinander unterscheiden und daß wir
13 diese unerschrocken, jene furchtsam, andere wieder mit andern Namen benennen. So
14 z.B. werde ich den *unerschrocken* nennen, der ein Übel geringschätzt, das ich zu
15 fürchten pflege. Fasse ich daneben noch ins Auge, daß seine Begierde, dem
16 Schlimmes zuzufügen, den er haßt, und dem wohlzutun, den er liebt, durch die
17 Furcht vor einem Übel, wegen dessen ich manches unterlasse, nicht eingeschränkt
18 wird, so werde ich ihn *kühn* nennen. Ferner wird mir derjenige als *furchtsam*
19 erscheinen, der ein Übel fürchtet, das ich geringzuschätzen pflege. Fasse ich
20 daneben noch ins Auge, daß seine Begierde durch die Furcht vor einem Übel, das
21 mich nicht schrecken kann, eingeschränkt wird, so sage ich, er sei *ängstlich*;
22 und so wird jeder urteilen.
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24 Aus dieser Natur des Menschen und bei der Veränderlichkeit seines Urteils, auch
25 weil der Mensch häufig nach dem bloßen Affekt der Dinge beurteilt und weil die
26 Dinge, die nach seiner Meinung zur Lust und Unlust beitragen und die er darum
27 (nach Lehrsatz 28 dieses Teils) zu verwirklichen oder zu entfernen sucht, oft
28 nur eingebildet sind – ganz abgesehen von andern Umständen, die im zweiten Teil
29 über die Ungewißheit der Dinge dargelegt wurden –, begreift es sich leicht, daß
30 der Mensch oft die Ursache seiner eigenen Unlust und Lust sein kann oder daß er
31 die Ursache ist, daß er mit Unlust oder Lust, verbunden mit der Idee seiner
32 selbst als Ursache, erregt wird. Wir verstehen dadurch leicht, was Reue und was
33 Selbstzufriedenheit ist. *Reue* ist nämlich Unlust, verbunden mit der Idee seiner
34 selbst als Ursache; *Selbstzufriedenheit* ist Lust, verbunden mit der Idee seiner
35 selbst als Ursache. Diese Affekte sind sehr heftig, weil die Menschen glauben,
36 sie wären frei (s. Lehrsatz 49 dieses Teils).
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