3p47sc.md (1886B)
1 Dieser Lehrsatz kann auch aus Zusatz zu Lehrsatz 17, Teil 2, bewiesen werden. 2 Denn sooft wir uns des Gegenstandes erinnern, auch wenn er nicht wirklich 3 existiert, betrachten wir ihn als gegenwärtig, und der Körper wird auf gleiche 4 Weise erregt. Sofern daher die Erinnerung an den Gegenstand lebendig ist, 5 insofern wird der Mensch bestimmt, ihn mit Unlust zu betrachten. Diese 6 Bestimmung wird, solange die Vorstellung des Gegenstandesnoch währt, durch die 7 Erinnerung jener Dinge, welche seine Existenz ausschließen, zwar gehemmt, aber 8 nicht aufgehoben. Der Mensch empfindet also nur insofern Lust, sofern diese 9 Bestimmung gehemmt wird. Daher kommt es, daß diese Lust, welche aus dem Übel, 10 das den verhaßten Gegenstand trifft, entspringt, so oft wiederkehrt, als wir uns 11 dieses Gegenstandes erinnern. Denn wie gesagt, sobald die Vorstellung dieses 12 Gegenstandes er weckt wird, bestimmt sie den Menschen, den Gegenstand mit 13 derselben Unlust zu betrachten, mit welcher er ihn zu betrachten pflegte, als er 14 noch existierte. Weil er aber mit der Vorstellung dieses Gegenstandes andere 15 Vorstellungen verknüpft hat, welche dessen Existenz ausschließen, darum wird 16 diese Bestimmung zur Unlust sofort gehemmt, und der Mensch empfindet von neuem 17 Lust; und zwar so oft, als sich dies wiederholt. 18 19 Dies ist auch die Ursache, weshalb die Menschen Lust empfinden, sooft sie sich 20 eines bereits vergangenen Übels erinnern, und weshalb sie Gefahren, aus denen 21 sie befreit worden sind, so gerne erzählen. Wenn sie sich nämlich die Gefahr 22 vorstellen, betrachten sie dieselbe, als würden sie noch immer von ihr bedroht, 23 und werden bestimmt, sie zu fürchten. Diese Bestimmung aber wird wieder 24 eingeschränkt durch die Idee der Befreiung, die sie mit der Idee dieser Gefahr 25 verknüpft haben, als sie von ihr befreit wurden, und welche sie wieder sicher 26 macht, weshalb sie wieder Lust empfinden. 27 28