3p26sc.md (1131B)
1 Hieraus ersehen wir, wie leicht es geschieht, daß der Mensch von sich und dem 2 geliebten Gegenstand eine größere Meinung hat, als recht ist, dagegen von einem 3 verhaßten Gegenstand eine geringere Meinung, als recht ist. Diese Vorstellung 4 heißt, soweit sie sich auf den Menschen selbst bezieht, der also von sich selbst 5 eine größere Meinung hat, als recht ist, *Hochmut* und ist eine Art Wahnwitz, weil 6 ein solcher Mensch mit offenen Augen träumt, er vermöge alles, was er bloß in 7 der Einbildung erreicht. Er betrachtet daher dies alles als Wirklichkeit und 8 bläht sich darob, solange er sich das nicht vorstellen kann, was die Existenz 9 seiner Einbildungen ausschließt und sein Tätigkeitsvermögen beschränkt. *Hochmut* 10 ist also Lust, daraus entsprungen, daß der Mensch eine größere Meinung von sich 11 hat, als recht ist. – Die Lust ferner, welche daraus entspringt, daß der Mensch 12 von einem andern eine größere Meinung hat, als recht ist, wird *Überschätzung*, 13 diejenige endlich, welche daraus entspringt, daß er von einem andern eine 14 geringere Meinung hat, als recht ist, wird *Unterschätzung* genannt. 15 16