ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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3ad6e.md (1311B)


 1 Diese Definition drückt das Wesen der Liebe vollständig klar aus. Die Definition
 2 jener Schriftsteller aber, welche lautet: Liebe ist der Wille des Liebenden,
 3 sich mit dem geliebten Gegenstand zu verbinden, drückt nicht das Wesen der
 4 Liebe, sondern eine Eigenschaft derselben aus. Und weil das Wesen der Liebe von
 5 diesen Schriftstellern nicht genügend durchschaut wurde, konnten sie auch von
 6 ihrer Eigenschaft keinen klaren Begriff haben. Daher kommt es, daß man ihre
 7 Definition allgemein für eine sehr dunkle hält.
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 9 Wenn ich nun sage, es sei eine Eigenschaft des Liebenden, daß er den Willen
10 habe, sich mit dem geliebten Gegenstand zu verbinden, so ist zu beachten, daß
11 ich unter Willen nicht etwa die Zustimmung oder die Überlegung oder einen freien
12 Entschluß verstehe (daß dies letztere eine reine Einbildung sei, habe ich im
13 Lehrsatz 48, Teil 2, bewiesen). Auch meine ich damit nicht die Begierde, sich
14 mitdem geliebten Gegenstand zu verbinden, wenn er abwesend ist, oder in seiner
15 Gegenwart zu verharren, wenn er anwesend ist; denn die Liebe kann auch ohne
16 diese Begierde gedacht werden. Unter Willen verstehe ich hier die Befriedigung,
17 welche den Liebenden bei der Gegenwart des geliebten Gegenstandes erfüllt und
18 durch welche die Lust des Liebenden verstärkt oder mindestens genährt wird.
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