ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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 1 Hochmut unterscheidet sich also dadurch von der Überschätzung, daß sich diese
 2 auf ein äußeres Objekt bezieht, jener aber auf den Menschen selbst, der eine
 3 größere Meinung von sich hat, als recht ist. Wie übrigens die Überschätzung eine
 4 Wirkung oder Eigenschaft der Liebe ist, so ist der Hochmut eine Wirkung oder
 5 Eigenschaft der Selbstliebe. Man kann ihn also auch definieren als: Liebe zu
 6 sich selbst oder Selbstzufriedenheit, sofern sie den Menschen so erregt, daß er
 7 von sich eine größere Meinung hat, als recht ist (s. Anmerkung zu Lehrsatz 26
 8 dieses Teils).
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10 Zu diesem Affekt gibt es keinen Gegensatz. Denn niemand hat aus Haß gegen sich
11 selbst eine geringere Meinung von sich, als recht ist. Ja, es hat auch dann
12 niemand eine zu geringe Meinung von sich, wenn er sich vorstellt, daß er dies
13 oder jenes nicht vermag. Denn wenn sich der Mensch vorstellt, daß er etwas nicht
14 vermag, so beruht diese Vorstellung auf Notwendigkeit, und diese Vorstellung
15 disponiert ihn so, daß er tatsächlich nichts zu tun vermag, wovon er sich
16 vorstellt, daß er es nicht vermag. Denn solange er sich vorstellt, daß er das
17 oder jenes nicht vermag, solange ist er nicht bestimmt, es zu tun, und folglich
18 ist es ihm so lange auch nicht möglich, dies zu tun.
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20 Wenn wir freilich nur das ins Auge fassen, was von der Meinung allein abhängt,
21 so werden wir allerdings die Möglichkeit denken können, daß der Mensch eine zu
22 geringe Meinung von sich hat. Ist es doch möglich, daß ein Trauriger, indem er
23 seine Schwäche betrachtet, sich vorstellt, er werde von jedermann verachtet,
24 während kein Mensch daran denkt, ihn zu verachten. – Außerdem kann der Mensch
25 eine zu geringe Meinung von sich haben, wenn er sich in der Gegenwart eine
26 Fähigkeit abspricht in bezug auf die Zukunft, über die er keine Gewißheit hat,
27 z.B. wenn er sich die Fähigkeit abspricht, etwas als gewiß begreifen zu können,
28 oder wenn er sich einbildet, nur schändlicheund verächtliche Dinge begehren und
29 tun zu können usw. – Ferner können wir sagen, daß jemand zu gering von sich
30 denkt, wenn wir sehen, daß er aus übertriebener Furcht vor Schande sich nicht zu
31 tun getraut, was andere seinesgleichen zu tun sich getrauen. Diesen Affekt
32 können wir dem Hochmut gegenüberstellen, und ich werde ihn *Kleinmut* nennen. Denn
33 wie aus der Selbstzufriedenheit Hochmut entspringt, so entspringt aus der
34 Niedergeschlagenheit Kleinmut, den ich daher also definiere:
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