ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
git clone https://git.repetitions.de/ethica

3ad27e.md (1157B)


 1 Die Ursache dieser Affekte habe ich in der Anmerkung zu Lehrsatz 51 dieses Teils
 2 und in den Lehrsätzen 53, 54 und 55 dieses Teils nebst der Anmerkung dazu
 3 dargetan. Über den freien Entschluß des Geistes aber siehe die Anmerkung zu
 4 Lehrsatz 35 des zweiten Teils.
 5 
 6 Es muß hier außerdem noch bemerkt werden, daß man sich nicht darüber zu wundern
 7 braucht, daß überhaupt auf alle Taten, welche man für unrecht hält, Unlust, auf
 8 solche aber, die man für recht hält, Lust folgt. Es hängt dies nämlich
 9 hauptsächlich von der Erziehung ab, was wir dem Obigen leicht entnehmen können.
10 Denn da die Eltern die ersteren tadelten und die Kinder ihretwegen häufig
11 schalten, wogegen sie die andern empfahlen und lobten, bewirkten sie, daß sich
12 mit den ersteren die Regungen der Unlust, mit den andern die der Lust verbanden.
13 Dies wird auch durch die Erfahrung bestätigt. Denn Gewohnheit und Religion sind
14 nicht bei allen Menschen gleich, vielmehr ist dem einen heilig, was dem andern
15 unheilig ist, und was bei diesem für ehrbar gilt, gilt jenem für schändlich. Je
16 nachdem also der Mensch erzogen ist bereut er eine Tat oder rühmt er sich
17 derselben.
18 
19