2p48sc.md (1738B)
1 Auf eben diese Weise wird bewiesen, daß es im Geiste keine absolute Fähigkeit 2 gibt, zu verstehen, zu begehren, zu lieben usw. Woraus folgt, daß diese und 3 ähnliche Fähigkeiten entweder reine Einbildungen oder nichts als metaphysische 4 oder allgemeine Wesen sind, die wir von den besonderen zu bilden gewohnt sind. 5 Es verhalten sich daher Verstand und Wille zu dieser und jener Idee 6 beziehungsweise zu diesem und jenem Wollen geradeso wie die Gattung Stein zu 7 diesem oder jenem Stein oder wie Mensch zu Peter und Paul. Die Ursache aber, 8 weshalb die Menschen frei zu sein glauben, habe ich im Anfang zum ersten Teil 9 auseinandergesetzt. 10 11 Bevor ich indes weitergehe, muß ich bemerken, daß ich unter Willen die Fähigkeit 12 zu bejahen und zu verneinen, nicht aber die Begierde verstehe. Ich verstehe, 13 sage ich, hierunter die Fähigkeit, vermöge welcher der Geist, was wahr und was 14 falsch ist, bejaht oder verneint, nicht aber die Begierde, vermöge welcher der 15 Geist die Dinge begehrt oder abstößt. 16 17 Nachdem ich aber bewiesen habe, daß jene Fähigkeiten allgemeine Begriffe sind, 18 die sich von den einzelnen, aus denen wir sie bilden, nicht unterscheiden, ist 19 nun zu untersuchen, ob das Wollen selbst noch etwas anderes sei als die Ideen 20 der Dinge selbst. Ich sage, wir müssen untersuchen, ob es im Geiste noch eine 21 andere Bejahung und Verneinung gibt als jene, welche die Idee, sofern sie Idee 22 ist, in sich schließt; worüber man den folgenden Lehrsatz nachsehen mag wie auch 23 die Definition 3 dieses Teils, damit das Denken nicht zum (bildlichen) 24 Vorstellen herabsinke. Denn unter Ideen verstehe ich nicht Bilder, wie sie auf 25 dem Grunde des Auges oder, wenn man will, im Innern des Gehirns sich bilden, 26 sondern Begriffe des Denkens. 27 28