ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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2p47sc.md (2110B)


 1 Hieraus sehen wir, daß das unendliche Wesen Gottes und seine Ewigkeit allen
 2 bekannt sind.
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 4 Da aber alles in Gott ist und durch Gott begriffen wird, so folgt, daß wir aus
 5 dieser Erkenntnis sehr viel adäquate Erkenntnis ableiten und so jene dritte
 6 Erkenntnisgattung bilden können, von welcher in der 2. Anmerkung zu Lehrsatz 40
 7 dieses Teils die Rede war und deren Vorzug und Nutzen darzulegen im fünften Teil
 8 Gelegenheit sein wird. Daß aber die Menschen keine ebenso klare Erkenntnis von
 9 Gott wie von den Gemeinbegriffen haben, kommt daher, weil sie Gott nicht wie die
10 Körper vorstellen können und weil sie den Namen »Gott« mit Vorstellungen von
11 Dingen verknüpfen, welche sie zu sehen gewöhnt sind; was die Menschen kaum
12 vermeiden können, da sie fortwährend von äußern Körpern erregt werden.
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14 In der Tat bestehen die meisten Irrtümer darin allein, daß wir den Dingen ihre
15 Benennungen nicht genau anpassen. Wenn z.B. jemand sagt, daß die aus dem
16 Mittelpunkt des Kreises nach der Peripherie gezogenen Linien ungleich seien, so
17 versteht et offenbar unter Kreis – hier wenigstens – etwas anderes als die
18 Mathematiker. Ebenso wenn die Menschen im Rechnen irren, haben sie andere Zahlen
19 im Kopfe, andere auf dem Papier. In Betracht ihres Geistes also irren sie
20 keineswegs. Sie scheinen aberzu irren, weil wir meinen, sie hätten dieselben
21 Zahlen im Kopfe, die auf dem Papier stehen. Wäre dies nicht der Fall, so würden
22 wir nicht glauben, daß sie irren, so wie ich nicht glaubte, daß sich der Mann
23 irrte, den ich neulich ausrufen hörte, sein Hof sei auf das Huhn seines Nachbars
24 geflogen; weil ich nämlich wohl verstand, was er meinte.
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26 Daher rühren auch die meisten Meinungsstreitigkeiten, indem die Menschen ihre
27 Meinung nicht richtig ausdrücken oder die Meinung des andern falsch deuten. Denn
28 tatsächlich ist es so, daß, während sie einander heftig widersprechen, entweder
29 der eine geradeso denkt wie du andere oder der eine an etwas anderes denkt als
30 der andere; so daß die Irrtümer und Widersinnigkeiten, welche bei den andern
31 angenommen werden, gar nicht bestehen.
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