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1 In der Anmerkung zu Lehrsatz 21 dieses Teils habe ich 2 auseinandergesetzt, was die Idee einer Idee ist. 3 4 Es ist aber darauf aufmerksam zu machen, daß der vorige Lehrsatz an sich 5 einleuchtend genug ist. Denn jeder, der eine wahre Idee hat, weiß, daß 6 eine wahre Idee die höchste Gewißheit in sich schließt. Eine wahre Idee 7 haben heißt auch nichts anderes als: ein Ding vollständig und bestens 8 erkennen. Dies kann sicherlich niemand bezweifeln; es müßte denn sein, 9 daß er glaubt, eine Idee sei etwas Stummes, wie ein Gemälde auf der 10 Tafel, und nicht eine Form des Denkens, also das Erkennen selbst. Und, 11 frage ich, wer kann wissen, daß er ein Ding erkennt, wenn er nicht 12 vorher das Ding erkennt? Das heißt: Wer kann wissen, daß er über ein 13 Ding Gewißheit hat, wenn er nicht vorher über dieses Ding Gewißheit hat? 14 Was kann es ferner Klareres und Gewisseres geben, um als Norm der 15 Wahrheit zu dienen, als eine wahre Idee? – Wahrlich, so wie das Licht 16 sich selbst und die Finsternis offenbart, so ist die Wahrheit die Norm 17 von sich selbst und von dem Falschen. 18 19 Damit glaube ich auch auf einige Fragen geantwortet zu haben, nämlich: 20 Wenn eine wahre Idee von einer falschen sich nur insofern unterscheiden 21 soll, daß jene mit ihrem Gegenstand übereinstimmt, so hat die wahre Idee 22 an Realität oder Vollkommenheit nichts vor der falschen voraus (da sich 23 beide ja bloß durch ein äußerliches Merkmal unterscheiden), folglich 24 hätte auch der Mensch, welcher wahre Ideen hat, an Realität oder 25 Vollkommenheit nichts vor dem voraus, der nur falsche Ideen hat? – 26 Ferner: Woher kommt es, daß die Menschen falsche Ideen haben? – 27 Endlich: Woher kann jemand gewiß wissen, daß er Ideen hat, welche mit 28 ihren Gegenständen übereinstimmen? 29 30 Auf diese Fragen glaube ich, wie gesagt, schon geantwortet zu haben. 31 Denn was den Unterschied zwischen einer wahren und einer falschen Idee 32 anbelangt, so geht aus dem Lehrsatz 35 dieses Teils hervor, daß sich 33 jene zu dieser verhält wie das Seiende zum Nichtseienden. Die Ursachen 34 der Falschheit aber habe ich von Lehrsatz 19 an bis zu Lehrsatz 35 mit 35 dessen Anmerkung sehr klar gezeigt; woraus auch klar wird, wie sich ein 36 Mensch, der wahre Ideen hat, von einem Menschen, der nur falsche hat, 37 unterscheidet. Was endlich das letzte betrifft, nämlich woher denn der 38 Mensch wissen könne, daß er eine Idee hat, welche mit ihrem Gegenstand 39 übereinstimmt, so habe ich soeben aufs allerdeutlichste gezeigt, daß 40 dies davon allein herrührt, weil er eine Idee hat, welche mit ihrem 41 Gegenstand übereinstimmt, oder weil die Wahrheit ihre eigene Norm ist. 42 Hierzu kommt noch, daß unser Geist, sofern er ein Ding wahr Erfaßt, ein 43 Teil ist von dem unendlichen Verstand Gottes (nach Zusatz zu Lehrsatz 11 44 dieses Teils); daher müssen die klaren und deutlichen Ideen des Geistes 45 ebenso wahr sein wie die Ideen Gottes. 46 47