ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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 1 In der Anmerkung zu Lehrsatz 21 dieses Teils habe ich
 2 auseinandergesetzt, was die Idee einer Idee ist.
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 4 Es ist aber darauf aufmerksam zu machen, daß der vorige Lehrsatz an sich
 5 einleuchtend genug ist. Denn jeder, der eine wahre Idee hat, weiß, daß
 6 eine wahre Idee die höchste Gewißheit in sich schließt. Eine wahre Idee
 7 haben heißt auch nichts anderes als: ein Ding vollständig und bestens
 8 erkennen. Dies kann sicherlich niemand bezweifeln; es müßte denn sein,
 9 daß er glaubt, eine Idee sei etwas Stummes, wie ein Gemälde auf der
10 Tafel, und nicht eine Form des Denkens, also das Erkennen selbst. Und,
11 frage ich, wer kann wissen, daß er ein Ding erkennt, wenn er nicht
12 vorher das Ding erkennt? Das heißt: Wer kann wissen, daß er über ein
13 Ding Gewißheit hat, wenn er nicht vorher über dieses Ding Gewißheit hat?
14 Was kann es ferner Klareres und Gewisseres geben, um als Norm der
15 Wahrheit zu dienen, als eine wahre Idee? – Wahrlich, so wie das Licht
16 sich selbst und die Finsternis offenbart, so ist die Wahrheit die Norm
17 von sich selbst und von dem Falschen.
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19 Damit glaube ich auch auf einige Fragen geantwortet zu haben, nämlich:
20 Wenn eine wahre Idee von einer falschen sich nur insofern unterscheiden
21 soll, daß jene mit ihrem Gegenstand übereinstimmt, so hat die wahre Idee
22 an Realität oder Vollkommenheit nichts vor der falschen voraus (da sich
23 beide ja bloß durch ein äußerliches Merkmal unterscheiden), folglich
24 hätte auch der Mensch, welcher wahre Ideen hat, an Realität oder
25 Vollkommenheit nichts vor dem voraus, der nur falsche Ideen hat? –
26 Ferner: Woher kommt es, daß die Menschen falsche Ideen haben? –
27 Endlich: Woher kann jemand gewiß wissen, daß er Ideen hat, welche mit
28 ihren Gegenständen übereinstimmen?
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30 Auf diese Fragen glaube ich, wie gesagt, schon geantwortet zu haben.
31 Denn was den Unterschied zwischen einer wahren und einer falschen Idee
32 anbelangt, so geht aus dem Lehrsatz 35 dieses Teils hervor, daß sich
33 jene zu dieser verhält wie das Seiende zum Nichtseienden. Die Ursachen
34 der Falschheit aber habe ich von Lehrsatz 19 an bis zu Lehrsatz 35 mit
35 dessen Anmerkung sehr klar gezeigt; woraus auch klar wird, wie sich ein
36 Mensch, der wahre Ideen hat, von einem Menschen, der nur falsche hat,
37 unterscheidet. Was endlich das letzte betrifft, nämlich woher denn der
38 Mensch wissen könne, daß er eine Idee hat, welche mit ihrem Gegenstand
39 übereinstimmt, so habe ich soeben aufs allerdeutlichste gezeigt, daß
40 dies davon allein herrührt, weil er eine Idee hat, welche mit ihrem
41 Gegenstand übereinstimmt, oder weil die Wahrheit ihre eigene Norm ist.
42 Hierzu kommt noch, daß unser Geist, sofern er ein Ding wahr Erfaßt, ein
43 Teil ist von dem unendlichen Verstand Gottes (nach Zusatz zu Lehrsatz 11
44 dieses Teils); daher müssen die klaren und deutlichen Ideen des Geistes
45 ebenso wahr sein wie die Ideen Gottes.
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