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1 Damit habe ich die Ursache der Begriffe dargelegt, welche *Gemeinbegriffe* genannt 2 werden und welche die Grundlage unseres Schließens sind. 3 4 Es gibt aber von einigen Axiomen oder Begriffen noch andere Ursachen, welche 5 nach dieser unserer Methode dargelegt zu werden verdienten; denn es würde sich 6 aus ihnen ergeben, welche Begriffe nützlicher sind als alle übrigen und welche 7 hinwiederum von kaum irgendeinem Nutzen sind. Ferner würde sich daraus ergeben, 8 welche Begriffe allen Menschen gemeinsam sind, welche Begriffe nur von 9 vorurteilsfreien Menschen klar und gründlich erfaßt werden und endlich, welche 10 Begriffe schlecht begründet sind. Außerdem würde sich ergeben, woher jene 11 Begriffe, die man *Begriffe zweiter Ordnung* nennt und demzufolge die Axiome, die 12 sich auf sie gründen, ihren Ursprung genommen haben; und noch anderes was ich 13 beim Nachdenken darüber gefunden. Da ich dies aber für eine andere Abhandlung 14 bestimmt habe, auch um nicht durch allzu große Weitläufigkeit des Gegenstandes 15 unangenehm zu werden, habe ich vorgezogen, darüber wegzugehen. 16 17 Um aber nichts von dem zu übergehen, was zu wissen nötig ist, will ich in Kürze 18 die Ursachen angeben, aus welchen die sogenannten *transzendentalen* Ausdrücke 19 ihren Ursprung genommen haben, wie »das Seiende«,»das Ding«, »Etwas«. Diese 20 Ausdrücke entstehen daraus, daß der menschliche Körper, weil er beschränkt ist, 21 nicht fähig ist, mehr als eine bestimmte Zahl von Bildern (was ein Bild ist, 22 habe ich in der Anmerkung zu Lehrsatz 17 dieses Teils erklärt) zu gleicher Zeit 23 deutlich in sich zu bilden. Wird diese Zahl überschritten, so fangen diese 24 Bilder an, sich zu verwirren. Wird aber diese Zahl von Bildern, welche der 25 Körper zu gleicher Zeit deutlich in sich zu bilden vermag, erheblich 26 überschritten, so werden alle sich gänzlich untereinander verwirren. Bei diesem 27 Sachverhalt ergibt sich aus Zusatz zu Lehrsatz 17 und aus Lehrsatz 18 dieses 28 Teils, daß der menschliche Geist so viel Körper zu gleicher Zeit deutlich wird 29 vorstellen können, so viel Bilder zu gleicher Zeit in seinem Körper gebildet 30 werden können. Sobald sich aber die Bilder im Körper gänzlich verwirren, wird 31 auch der Geist alle Körper verworren, ohne irgendeine Unterscheidung, vorstellen 32 und sie gleichsam unter Einem Attribut zusammenfassen, nämlich unter dem 33 Attribut des »Seienden«, des »Dinges« usw. – Es läßt sich dies auch daraus 34 ableiten, daß die Bilder nicht immer gleich kräftig sind und noch aus andern 35 verwandten Ursachen, die hier nicht auseinandergesetzt zu werden brauchen; denn 36 für den Zweck, den ich hier im Auge habe, genügt es, Eine zu wissen. Denn alle 37 laufen darauf hinaus, daß diese Ausdrücke Ideen bezeichnen, die im höchsten 38 Grade verworren sind. 39 40 Aus ähnlichen Ursachen sind jene Begriffe entstanden, die man *Gattungsbegriffe* 41 (Universalbegriffe) nennt, wie »Mensch«, »Pferd«, »Hund« usw., nämlich weil im 42 menschlichen Körper so viel Bilder, z.B. von Menschen, zu gleicher Zeit sich 43 bilden, daß sie die Vorstellungskraft zwar nicht gänzlich, aber doch so weit 44 übersteigen, daß der Geist die geringen Unterschiede der Einzelnen (wie die 45 Farbe, die Größe usw. eines jeden) und ihre bestimmte Zahl nicht vorstellen kann 46 und nur das, worin alle – sofern der Körper von ihnen erregt wird – 47 übereinstimmen, deutlich vorstellt, denn von dieser 48 gemeinschaftlichenEigenschaft ist der Körper am meisten, nämlich von jedem 49 einzelnen, erregt gewesen. Dies drückt er mit dem Namen »Mensch« aus, und diese 50 Eigenschaft legt er den unendlichen einzelnen Menschen bei; denn die bestimmte 51 Zahl der einzelnen kann er, wie gesagt, nicht vorstellen. 52 53 Es ist jedoch zu beachten, daß diese Begriffe nicht von jedermann auf gleiche 54 Weise gebildet werden, sondern bei jedem wieder anders, je nachdem der Körper 55 von dem betreffenden Ding öfter oder weniger oft erregt gewesen ist; denn je 56 öfter dies der Fall war, desto leichter stellt der Geist das Ding vor und 57 erinnert er sich desselben. Menschen z.B., welche öfter die aufrechte Gestalt 58 des Menschen mit Bewunderung betrachtet haben, verstehen unter dem Namen 59 »Mensch« ein lebendes Wesen vorn aufrechter Gestalt. Andere dagegen, welche 60 gewohnt sind, am Menschen etwas anderes ins Auge zu fassen, werden eine andere 61 Gattungsvorstellung vom Menschen bilden, etwa: der Mensch ist ein lachendes 62 Geschöpf; der Mensch ist ein federloser Zweifüßler; der Mensch ist ein 63 vernünftiges Geschöpf. Und so wird auch bei allem andern jedermann der 64 Disposition seines Körpers entsprechend die Gattungsvorstellungen der Dinge 65 bilden. 66 67 Es ist daher kein Wunder, daß unter den Philosophen, welche die natürlichen 68 Dinge durch die bloßen Bilder der Dinge erklären wollten, so viel 69 Meinungsstreitigkeiten entstanden sind. 70 71