2p3sc.md (1671B)
1 Das Volk versteht unter Gottes Macht Gottes freien Willen und sein Recht auf 2 alle Dinge, welche sind und welche deshalb gewöhnlich als zufällige betrachtet 3 werden. Denn, sagt man, Gott hat die Macht, alles zu zerstören und in nichts zu 4 verwandeln. Auch vergleicht man häufig Gottes Macht mit der Macht der Könige. 5 Doch habe ich dies in den Zusätzen I und II zu Lehrsatz 32, Teil 1, widerlegt 6 und im Lehrsatz 16, Teil 1, bewiesen, daß Gott mit derselben Notwendigkeit 7 handelt, mit welcher er sich selbst erkennt, d.h., sowie aus der Notwendigkeit 8 der göttlichen Natur folgt (was alle einstimmig behaupten), daß Gott sich selbst 9 erkennt, ebenso folgt mit derselben Notwendigkeit, daß Gott Unendliches auf. 10 unendliche Weisen tut. Ferner habe ich in Lehrsatz 34, Teil 1, bewiesen, daß 11 Gottes Macht nichts ist als Gottes tätiges Wesen. Daher ist es uns ebenso 12 unmöglich zu begreifen, daß Gott nicht handle, als daß Gott nicht sei. 13 14 Wenn ich dies weiter verfolgen dürfte, könnte ich hier noch zeigen, daß jene 15 Macht, welche das Volk Gott andichtet, nicht bloß eine menschliche ist (was 16 zeigt, daß Gott als Mensch oder nach dem Bilde eines Menschen vom Volk begriffen 17 wird), sondern auch Ohnmacht einschließt. 18 19 Doch will ich über dieselbe Sache nicht so oft ausführlich reden. Ich will nur 20 den Leser dringend bitten, daß er alles, was im ersten Teil von Lehrsatz 16 an 21 bis zum Schluß über diesen Gegenstand gesagt ist, aber und abermals erwäge. Denn 22 niemand wird das, was ich meine, recht verstehen können, wenn er sich nicht 23 außerordentlich hütet, die Macht Gottes mit der menschlichen Macht oder dem 24 menschlichen Recht der Könige zu vermengen. 25 26