2p18sc.md (2278B)
1 Damit verstehen wir klar, was das *Gedächtnis* (die Erinnerung) ist. Es 2 ist nämlich nichts anderes als eine gewisse Verkettung von Ideen, welche 3 die Natur der außerhalb des menschlichen Körpers befindlichen Dinge in 4 sich schließen; welche Verkettung im Geist der Ordnung und Verkettung 5 der Erregungen des menschlichen Körpers entspricht. 6 7 Ich sage *erstens*, es sei eine Verkettung nur solcher Ideen, welche die 8 Natur der außerhalb des menschlichen Körpers befindlichen Dinge in sich 9 schließen, nicht aber von Ideen, welche die Natur dieser Dinge erklären. 10 Denn es sind tatsächlich (nach Lehrsatz 16 dieses Teils) die Ideen der 11 Erregungen des menschlichen Körpers, welche die Natur sowohl dieses, des 12 menschlichen Körpers, als auch der äußern Körper in sich schließen. 13 14 Ich sage *zweitens*: diese Verkettung entspreche der Ordnung und 15 Verkettung der Erregungen des menschlichen Körpers, um diese von der 16 Verkettung der Ideen zu unterscheiden, welche der Ordnung des Verstandes 17 entspricht, vermöge welcher der Geist die Dinge nach ihren ersten 18 Ursachen erfaßt und welche bei allen Menschen dieselbe ist. 19 20 Hieraus erkennen wir ferner klar, warum der Geist von dem Gedanken eines 21 Dinges sofort auf den Gedanken eines andern Dinges überspringt, das mit 22 dem ersten gar keine Ähnlichkeit hat. Zum Beispiel wenn man das 23 Wort»Apfel« denkt, so denkt man auch sogleich an die *Frucht* 24 Apfel, die doch mit jenem artikulierten Laut keinerlei Ähnlichkeit noch 25 sonst etwas gemein hat, als daß der Körper des Menschen häufig von 26 diesen beiden erregt wurde, d.h., daß der Mensch häufig das Wort Apfel 27 gehört hat, während er zugleich die Frucht sah. So wird jeder von einem 28 Gedanken auf einen andern verfallen je nachdem seine Gewohnheit die 29 Bilder der Dinge im Körper geordnet hat. Der Soldat z.B. wird beim 30 Anblick der Spuren eines Pferdes sogleich von dem Gedanken eines Pferdes 31 auf den Gedanken eines Reiters und von diesem auf den Gedanken des 32 Krieges usw. kommen. Der Dauer dagegen wird von dem Gedanken des Pferdes 33 auf den Gedanken eines Pflugs, Ackers usw. verfallen. So wird jeder, je 34 nachdem er gewohnt ist, die Bilder der Dinge auf die eine oder andere 35 Weise zu verknüpfen und zu verketten, von einem Gedanken auf diesen oder 36 jenen Gedanken kommen. 37 38