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1 Da es nichts gibt, woraus nicht eine Wirkung erfolgt (nach Lehrsatz 36, T. 1), 2 und wir alles klar und deutlich erkennen, was aus einer in uns adäquat 3 vorhandenen Idee erfolgt (nach Lehrsatz 40, T. 2), so folgt hieraus, daß jeder 4 die Macht hat, sich und seine Affekte, wenn auch nicht absolut, so doch 5 teilweise klar und deutlich zu erkennen und folglich zu bewirken, daß er weniger 6 von ihnen leidet. Wir müssen also hauptsächlich hierauf Fleiß verwenden, jeden 7 Affekt soviel als möglich klar und deutlich zu erkennen, damit der Geist so 8 durch den Affekt bestimmt wird, das zu denken, was er klar und deutlich auffaßt, 9 und wobei er sich völlig beruhigt, und so der Affekt selbst von dem Gedanken der 10 äußeren Ursache getrennt und mit richtigen Gedanken verbunden werde. Die Folge 11 hiervon wird sein, daß nicht nur Liebe, Haß usw. vernichtet werden (nach 12 Lehrsatz 2 dieses Teils), sondern auch, daß das Verlangen und die Begierde, 13 welche gewöhnlich aus einem solchen Affekt entspringen, kein Übermaß haben 14 können (nach Lehrsatz 61, T. 4). Denn es ist vor allem zu bemerken, daß es ein 15 und dasselbe Verlangen ist, wegen dessen der Mensch sowohl tätig als leidend 16 genannt wird; wenn wir z. B. gezeigt haben, daß die menschliche Natur so 17 beschaffen ist, daß jeder begehrt, die übrigen möchten nach seinem Sinne leben 18 (siehe die Anm. zu Lehrsatz 31, T. 3), so ist dieses Verlangen bei einem 19 Menschen, der nicht von der Vernunft geleitet wird, eine Leidenschaft, die 20 Ehrsucht heißt, und sich nicht sehr vom Hochmut unterscheidet; dagegen ist sie 21 bei einem Menschen, der nach dem Gebote der Vernunft lebt, eine Handlung oder 22 Tugend, die Frömmigkeit genannt wird (siehe Anm. 1 zu Lehrsatz 37, T. 4 und 23 Beweis 2 desselben Lehrsatzes). Gleicherweise sind alle Begierden oder Verlangen 24 nur insofern Leidenschaften, als sie aus inadäquaten Ideen entspringen; sie 25 werden aber zur Tugend gerechnet, wenn sie von adäquaten Ideen hervorgerufen 26 oder erzeugt werden. Denn alle Begierden, durch die wir bestimmt werden, etwas 27 zu tun, können sowohl aus adäquaten wie aus inadäquaten Ideen entstehen (siehe 28 Lehrsatz 59, T. 4). Und (um wieder auf das zu kommen, wovon ich ausgegangen bin) 29 es kann kein herrlicheres in unserer Macht stehendes Mittel gegen die Affekte 30 erdacht werden als dieses, das nämlich in der wahren Erkenntnis derselben 31 besteht, da es ja kein anderes Vermögen des Geistes gibt, als zu denken und 32 adäquate Ideen zu bilden, wie wir oben (Lehrsatz 3, T. 3) gezeigt haben. 33 34