ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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5p39sc.md (1682B)


 1 Weil die menschlichen Körper zu sehr vielem befähigt sind, so können sie ohne
 2 Zweifel von solcher Natur sein, daß sie Geistern angehören, die von sich und
 3 Gott eine große Erkenntnis haben, und deren größter oder hauptsächlichster Teil
 4 ewig ist, so daß sie den Tod kaum zu fürchten haben. Zum besseren Verständnis
 5 dieses muß ich hier bemerken, daß wir in beständigem Wechsel leben und je
 6 nachdem wir uns in etwas Besseres oder Schlechteres verwandeln, glücklich oder
 7 unglücklich heißen. Denn der Säugling oder das Kind, das zur Leiche geworden,
 8 heißt unglücklich, dagegen hält man es für Glück, wenn wir die ganze Lebensbahn
 9 mit gesundem Geist in gesundem Körper haben durchlaufen können. Und in der Tat,
10 wer wie ein Säugling oder ein Kind einen Körper hat, der zu sehr wenigen Dingen
11 befähigt ist, größtenteils von äußeren Ursachen abhängt, der hat einen Geist,
12 der, an sich allein betrachtet, fast gar kein Bewußtsein, weder von sich selbst,
13 noch von Gott, noch von den Dingen hat; wer dagegen einen zu sehr vielem
14 befähigten Körper hat, hat einen Geist, der, an sich allein betrachtet, viel
15 Bewußtsein von sich, von Gott und von den Dingen hat. In diesem Leben streben
16 wir also hauptsächlich dahin, den Kinderleib, soweit es seine Natur gestattet
17 und ihm nützlich ist, in einen anderen zu verwandeln, der zu vielem befähigt
18 ist, und der einem Geiste angehört, der sich seiner, Gottes und der meisten
19 Dinge bewußt ist, und zwar so, daß alles, was zu seinem Gedächtnis oder seiner
20 Vorstellung gehört, im Verhältnis zur Erkenntnis fast von gar keiner Bedeutung
21 ist, wie ich bereits in der Anmerkung des vorigen Lehrsatzes gesagt habe.
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