5p36csc.md (1765B)
1 Hieraus erkennen wir deutlich, worin unser Heil oder unsere Glückseligkeit oder 2 Freiheit besteht, nämlich in der beständigen und ewigen Liebe zu Gott, oder in 3 der Liebe Gottes zu den Menschen. Diese Liebe oder Glückseligkeit wird in der 4 heiligen Schrift Ruhm genannt, und mit Recht. Denn bezieht man diese Liebe auf 5 Gott oder auf den Geist, so kann sie immer mit Recht Zufriedenheit der Seele 6 genannt werden, die vom Ruhm in der Tat nicht verschieden ist (nach Def. 25 und 7 30 der Affekte); denn auf Gott bezogen ist sie (nach Lehrsatz 35 dieses Teils) 8 Lust (man gestatte mir noch diesen Ausdruck), verbunden mit der Idee von sich, 9 sowie auch, auf den Geist bezogen (nach Lehrsatz 27 dieses Teils). Weil sodann 10 das Wesen unseres Geistes bloß in der Erkenntnis besteht, deren Uranfang und 11 Grundlage Gott ist (nach Lehrsatz 15, T. 1 und Anm. zu Lehrsatz 47, T. 2), so 12 wird uns hieraus klar, wie und aufweiche Weise unser Geist nach seinem Wesen und 13 Dasein aus der göttlichen Natur folgt und beständig von Gott abhängt. Ich glaube 14 dies hier wohl bemerken zu müssen und an diesem Beispiele zu zeigen, wieviel die 15 Erkenntnis der Einzeldinge, die ich die intuitive oder die der dritten Gattung 16 genannt habe, vermag (siehe die Anm. 2 zu Lehrsatz 40, T. 2) und daß sie 17 mächtiger ist, als die allgemeine Erkenntnis, die ich zur zweiten Gattung 18 gerechnet habe. Denn obgleich ich im ersten Teile im allgemeinen gezeigt habe, 19 daß alles (und folglich auch der menschliche Geist) nach seinem Wesen und Dasein 20 von Gott abhängt, so affiziert dieser Beweis, wenn er auch folgerichtig und über 21 allen Zweifel erhaben ist, unsern Geist doch nicht so, als wenn dasselbe eben 22 aus dem Wesen jedes Einzeldinges geschlossen wird, von dem wir sagen, daß es von 23 Gott abhängt. 24 25