4p59d.md (1774B)
1 Vernunftmäßig handeln ist nichts anderes (nach Lehrsatz 3 und Des. 2, T. 3), als 2 das tun, was aus der Notwendigkeit unserer für sich allein betrachteten Natur 3 erfolgt. Unlust aber ist insofern schlecht, als sie dieses Tätigkeitsvermögen 4 vermindert oder einschränkt (nach Lehrsatz 41 dieses Teils). Also können wir 5 durch diesen Affekt zu keiner Tat bestimmt werden, welche wir nicht auch tun 6 könnten, wenn die Vernunft uns leitete. Ferner ist die Lust insofern schlecht, 7 als sie die Fähigkeit des Menschen zur Tätigkeit hindert (nach Lehrsatz 43 und 8 44 dieses Teils), und folglich können wir auch insofern zu keiner Tat bestimmt 9 werden, welche wir nicht tun könnten, wenn die Vernunft uns leitete. Endlich, 10 insofern Lust gut ist, sofern stimmt sie mit der Vernunft überein (denn sie 11 besteht darin, daß das Tätigkeitsvermögen des Menschen vermehrt oder erweitert 12 wird), und ist keine Leidenschaft, ausgenommen wenn das Tätigkeitsvermögen des 13 Menschen nicht so weit vermehrt wird, daß er sich und seine Handlungen adäquat 14 begreift (nach Lehrsatz 3, T. 3 mit der Ann».). Wenn daher der mit Lust 15 affizierte Mensch zu einer so großen Vollkommenheit gebracht würde, daß er sich 16 und seine Handlungen adäquat begriffe, so wäre er auch fähig, ja noch fähiger zu 17 denselben Handlungen, zu welchen er jetzt von den Affekten, welche 18 Leidenschaften sind, bestimmt wird. Aber alle Affekte beziehen sich auf Lust, 19 Unlust oder Begierde (siehe die Erläuterung von Def. 4 der Affekte), und 20 Begierde ist (nach Des. 1 der Affekte) nichts anderes als eben das Streben der 21 Tätigkeit. Also können wir zu allen Handlungen, zu welchen wir durch einen 22 Affekt, der eine Leidenschaft ist, bestimmt werden, auch ohne ihn durch die 23 Vernunft allein geleitet werden. W.z.b.w. 24 25