4p53d.md (1143B)
1 Niedergeschlagenheit ist Unlust, welche daraus entspringt, daß der Mensch sein 2 Unvermögen betrachtet (nach Def. 26 der Affekte). Insofern aber der Mensch sich 3 selbst wahrhaft vernunftmäßig erkennt, sofern nimmt man an, daß er sein Wesen, 4 d.h. (nach Lehrsatz 7, T. 3) sein Vermögen erkennt. Wenn der Mensch, während er 5 sich selbst betrachtet, irgendein Unvermögen an sich wahrnimmt, so kommt das 6 nicht daher, weil er sich selbst erkennt, sondern (wie wir Lehrsatz 55, T. 3 7 gezeigt haben) daher, weil sein Tätigkeitsvermögen eingeschränkt wird. Wenn wir 8 aber annehmen, daß der Mensch sein Unvermögen dadurch begreift, daß er etwas 9 Mächtigeres als sich erkennt, durch dessen Erkenntnis er sein Tätigkeitsvermögen 10 bestimmt, dann begreifen wir nichts anderes, als daß der Mensch sich selbst 11 deutlich erkennt (nach Lehrsatz 26 dieses Teils), damit sein Tätigkeitsvermögen 12 erweitert wird. Daher entspringt Niedergeschlagenheit oder Unlust, welche daraus 13 entspringt, daß der Mensch sein Unvermögen betrachtet, nicht aus der wahren 14 Betrachtung oder aus der Vernunft und ist auch keine Tugend, sondern eine 15 Leidenschaft. W.z.b.w. 16 17