4p4d.md (2265B)
1 Das Vermögen, wodurch die Einzeldinge und folglich der Mensch sein Sein erhält, 2 ist das eigentliche Vermögen Gottes oder der Natur (nach Folgesatz zu Lehrsatz 3 24, T. 1), nicht insofern sie unendlich ist, sondern insofern sie durch das 4 wirkliche Wesen des Menschen ausgedrückt werden kann (nach Lehrsatz 7, T. 3). 5 Das Vermögen des Menschen ist daher, insofern es durch sein wirkliches Wesen 6 ausgedrückt wird, ein Teil des unendlichen Vermögens Gottes oder der Natur, d. 7 h. (nach Lehrsatz 34, T. 1) seines Wesens. Dies war das erste. Ferner, wenn es 8 möglich wäre, daß der Mensch nur Veränderungen erleiden könnte, welche allein 9 aus der Natur des Menschen selbst verstanden werden könnten, so würde daraus 10 folgen (nach Lehrsatz 4 und 6, T. 3), daß er nicht vergehen könnte, sondern daß 11 er stets notwendig da wäre; und dies müßte aus einer Ursache folgen, deren 12 Vermögen endlich oder unendlich wäre, nämlich entweder aus dem bloßen Vermögen 13 des Menschen, der dann die übrigen aus äußeren Ursachen entspringenden 14 Veränderungen von sich zu entfernen vermöchte; oder aus dem unendlichen Vermögen 15 der Natur, durch welche alles einzelne so gelenkt würde, daß der Mensch nur die 16 Veränderungen erleiden könnte, welche zu seiner Erhaltung dienen. Das erstere 17 ist aber widersinnig (nach dem vorigen Lehrsatz, dessen Beweis allgemein ist und 18 auf alle Einzeldinge angewendet werden kann). Wenn es also möglich wäre, daß der 19 Mensch nur Veränderungen erlitte, welche bloß aus der Natur des Menschen selbst 20 verstanden werden könnten, und daß er folglich (wie wir schon gezeigt haben) 21 immer notwendig da wäre, so müßte dies aus dem unendlichen Vermögen Gottes 22 folgen, und folglich (nach Lehrsatz 16, T. 1) müßte aus der Notwendigkeit der 23 göttlichen Natur, sofern sie als durch die Idee irgendeines Menschen affiziert 24 betrachtet wird, die Ordnung der ganzen Natur, sofern sie unter den Attributen 25 der Ausdehnung und des Denkens begriffen wird, abgeleitet werden. Demnach würde 26 (nach Lehrsatz 21, T. 1) folgen, daß der Mensch unendlich wäre, dies ist aber 27 (nach dem ersten Teil dieses Beweises) widersinnig. Es ist daher unmöglich, daß 28 der Mensch nur Veränderungen erleiden sollte, deren adäquate Ursache er selbst 29 ist. W.z.b.w. 30 31