4p45c2sc.md (1954B)
1 Zwischen Verhöhnung (die ich in Folgesatz 1 schlecht genannt habe) und Lachen 2 nehme ich einen großen Unterschied an. Denn Lachen, wie auch Scherz ist reine 3 Lust, und ist also, wenn nicht im Übermaß, an sich gut (nach Lehrsatz 41 dieses 4 Teils). Wahrlich nur ein düsterer und trübseliger Aberglaube verbietet, sich zu 5 erfreuen. Denn weshalb ziemt es sich mehr, Hunger und Durst zu stillen, als den 6 Mißmut zu verjagen? Meine Ansicht und meine Gesinnung ist diese: Kein höheres 7 Wesen und nur ein Neidischer freut sich über mein Unvermögen und meine mißliche 8 Lage oder rechnet uns Tränen, Schluchzen, Furcht und anderes der Art, was 9 Zeichen eines unvermögenden Geistes ist, als Tugend an; sondern umgekehrt, mit 10 je größerer Lust wir affiziert werden, zu desto größerer Vollkommenheit gehen 11 wir über, d.h. wir nehmen dadurch notwendig um so mehr Teil an der göttlichen 12 Natur. Der Weise genießt daher die Dinge und erfreut sich an ihnen so viel als 13 möglich (allerdings nicht im Übermaß, denn das heißt nicht sich erfreuen). Der 14 Weise, sage ich, erquickt und erfrischt sich an mäßiger und angenehmer Speise 15 und Trank, sowie an Geruch und Lieblichkeit der Pflanzen, an Kleiderschmuck, 16 Musik, Fechterspielen, Theater und anderem dergleichen, was jeder ohne 17 irgendeines anderen Schaden genießen kann. Denn der menschliche Körper ist aus 18 sehr vielen Teilen von verschiedener Natur zusammengesetzt, welche beständig 19 neuer und mannigfacher Nahrung bedürfen, damit der ganze Körper zu allem, was 20 aus seiner Natur erfolgen kann, gleich sehr fähig ist, und folglich damit der 21 Geist auch ebenso fähig ist, mehreres zugleich zu erkennen. Diese Einrichtung 22 des Lebens stimmt also sowohl mit unseren Prinzipien, als auch mit der 23 allgemeinen Praxis aufs beste überein. Deshalb ist diese Lebensweise, wenn 24 irgend eine, die beste und in jeder Hinsicht zu empfehlen, und es ist nicht 25 nötig, hierüber deutlicher und weitläufiger zu sprechen. 26 27