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1 Wer aus bloßem Affekt sich bestrebt, daß die übrigen lieben, was er selbst 2 liebt, und daß die übrigen nach seinem Sinne leben, handelt nur mit Ungestüm und 3 ist deshalb verhaßt, hauptsächlich denen, welchen etwas anderes gut scheint, und 4 die sich deshalb auch bemühen und mit demselben Ungestüm streben, daß die 5 übrigen andererseits nach ihrem Sinne leben. Da ferner das höchste Gut, das die 6 Menschen ihrem Affekt gemäß begehren, oft ein solches ist, daß nur einer es 7 besitzen kann, so ist die Folge, daß die Liebenden im Geiste nicht einig mit 8 sich selbst sind, und, während sie freudig das Lob des geliebten Gegenstandes 9 aussprechen, fürchten sie sich davor, Glauben zu finden. Wer aber die übrigen 10 durch Vernunft zu leiten strebt, der handelt nicht mit Ungestüm, sondern human 11 und wohlwollend, und ist im Geiste durchaus mit sich einig. Ferner rechne ich 12 zur Religion alles, wonach wir begehren, und was wir tun, wovon wir die Ursache 13 sind, sofern wir eine Idee von Gott haben, oder sofern wir Gott erkennen. Die 14 Begierde aber, gut zu handeln, welche daraus hervorgeht, daß wir nach der 15 Leitung der Vernunft leben, nenne ich Frömmigkeit. Die Begierde sodann, wodurch 16 der Mensch, der gemäß der Leitung der Vernunft lebt, gehalten ist, sich die 17 übrigen durch Freundschaft zu verbinden, nenne ich Ehrbarkeit, und das ehrbar, 18 was die Menschen lieben, die nach der Leitung der Vernunft leben, und das 19 dagegen unehrbar, was der freundschaftlichen Verbindung entgegen ist. Überdies 20 habe ich auch gezeigt, welches die Grundlagen des Staates sind. Der Unterschied 21 ferner zwischen wahrer Tugend und Unvermögen wird aus dem oben Gesagten leicht 22 erfaßt, daß nämlich die wahre Tugend nichts anderes ist, als nach der alleinigen 23 Leitung der Vernunft leben, und sonach besteht das Unvermögen bloß darin, daß 24 der Mensch von den außer ihm seienden Dingen sich leiten läßt, und dasjenige zu 25 tun von ihnen bestimmt wird, was die gemeinschaftliche Beschaffenheit der 26 äußeren Dinge, nicht aber das, was seine für sich allein betrachtete Natur 27 selbst fordert. Dies ist es, was ich in der Anmerkung zu Lehrsatz 18 dieses 28 Teils zu beweisen versprochen habe. Hieraus geht hervor, daß das Gesetz: man 29 dürfe die Tiere nicht schlachten, mehr auf leeren Aberglauben und weibisches 30 Mitleid als auf die gesunde Vernunft gegründet ist. Die Vernunft lehrt uns wohl, 31 daß wir um unseres Nutzens willen mit den Menschen in freundschaftliches 32 Verhältnis treten müssen, nicht aber mit den Tieren oder den Dingen, deren Natur 33 von der menschlichen Natur verschieden ist; vielmehr haben wir dasselbe Recht 34 auf sie, welches sie auf uns haben. Ja, weil das Recht eines jeden durch eines 35 jeden Tugend oder Vermögen bestimmt wird, so haben die Menschen ein viel 36 größeres Recht auf die Tiere als die Tiere auf die Menschen. Ich leugne jedoch 37 nicht, daß die Tiere Empfindung haben; ich leugne nur, daß es uns deshalb 38 verboten sein soll, für unsern Nutzen zu sorgen und sie nach Gefallen zu 39 gebrauchen und zu behandeln, wie es uns am besten zusagt, da sie ja von Natur 40 nicht mit uns übereinstimmen, und ihre Affekte von den menschlichen Affekten der 41 Natur nach verschieden sind (siehe die Anm. zu Lehrsatz 57, T. 3). Ich habe nun 42 noch zu erklären, was gerecht und was ungerecht, was Sünde, und endlich was 43 Verdienst ist. Doch hierüber siehe die folgende Anmerkung. 44 45