ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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4p35c2sc.md (1391B)


 1 Was wir soeben dargetan, bestätigt auch die Erfahrung selbst täglich durch so
 2 viele und so offenkundige Zeugnisse, daß es fast in jedermanns Munde ist: der
 3 Mensch ist dem Menschen ein Gott. Dennoch ist es selten, daß die Menschen nach
 4 der Leitung der Vernunft leben, vielmehr steht es so mit ihnen, daß sie meist
 5 neidisch und einander zur Last sind. Nichtsdestoweniger können sie ein
 6 einsiedlerisches Leben kaum vollführen, so daß die Definition: der Mensch sei
 7 ein gesellschaftliches Tier, bei den meisten sehr beifällig aufgenommen worden
 8 ist. Und in der Tat verhält sich die Sache so, daß aus dem gemeinschaftlichen
 9 Zusammenleben der Menschen weit mehr Vorteile als Nachteile entstehen. Die
10 Satiriker mögen daher so viel sie wollen die menschlichen Dinge verlachen, die
11 Theologen sie verdammen, und die Melancholischen mögen aus allen Kräften ein
12 ungebildetes und bäurisches Leben preisen, die Menschen verachten und die Tiere
13 bewundern; die Menschen werden doch die Erfahrung machen, daß sie durch
14 gegenseitige Hilfeleistung sich das, was sie bedürfen, viel leichter
15 verschaffen, und nur durch vereinte Kräfte die Gefahren, die ihnen überall
16 drohen, vermeiden können, um ganz davon zu schweigen, daß es viel höher und
17 unserer Erkenntnis weit würdiger ist, die Taten der Menschen als die der Tiere
18 zu betrachten. Doch hiervon an einem anderen Orte ausführlicher.
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