ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
git clone https://git.repetitions.de/ethica

4p34sc.md (1590B)


 1 Ich habe gesagt, Paul hasse den Peter, weil er sich vorstellt, dieser besitze
 2 das, was Paul selbst auch liebt. Hieraus scheint beim ersten Anblicke zu folgen,
 3 daß diese beiden dadurch, daß sie dasselbe lieben, und folglich dadurch, daß sie
 4 von Natur übereinstimmen einander zum Schaden gereichen, und sonach wenn dies
 5 wahr wäre, müßten Lehrsatz 30 und 31 dieses Teils falsch sein. Wenn wir aber die
 6 Sache gehörig erwägen wollen, so werden wir sehen, daß dies alles vollständig
 7 übereinstimmt. Denn diese beiden sind einander nicht lästig, sofern sie von
 8 Natur übereinstimmen, d.h. insofern beide dasselbe lieben, sondern insofern sie
 9 voneinander abweichen. Denn insofern beide dasselbe lieben, wird eben dadurch
10 die Liebe beider genährt (nach Lehrsatz 31, T. 3), d.h. (nach Def. 6 der
11 Affekte) eben dadurch wird die Lust beider genährt. Weit entfernt daher, daß
12 beide einander lästig sind, insofern sie dasselbe lieben und von Natur
13 übereinstimmen, ist vielmehr die Ursache hiervon, wie gesagt, keine andere, als
14 daß man annimmt, daß sie von Natur voneinander abweichen. Denn wir nehmen an,
15 Peter habe die Idee eines geliebten Gegenstandes, den er jetzt in Besitz hat,
16 und Paul dagegen die Idee eines geliebten Gegenstandes, den er verloren hat.
17 Daher kommt es, daß dieser von Unlust, jener dagegen von Lust affiziert wird,
18 und sie insofern einander entgegengesetzt sind. Auf diese Weise können wir
19 leicht zeigen, daß die übrigen Ursachen des Hasses davon allein abhängen, daß
20 die Menschen von Natur verschieden sind, nicht aber darin, worin sie
21 übereinstimmen.
22 
23