ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
git clone https://git.repetitions.de/ethica

3p57sc.md (1431B)


 1 Hieraus folgt, daß die Affekte der Tiere, die man vernunftlos nennt (denn wir
 2 können durchaus nicht bezweifeln, daß das Tier Empfindung hat, nachdem wir den
 3 Ursprung des Geistes erkannt haben), sich von den Affekten der Menschen nur
 4 insofern unterscheiden, als sich ihre Natur von der menschlichen Natur
 5 unterscheidet. Das Pferd und der Mensch werden von der Zeugungslust getrieben,
 6 aber jenes von einer pferdsmäßigen, dieser von einer menschlichen Lust. So
 7 müssen auch die Lüste und Verlangen der Insekten, der Fische und Vögel
 8 voneinander verschieden sein. Obgleich daher jedes Individuum mit seiner Natur,
 9 aus der es besteht, zufrieden lebt und sich derselben erfreut, so ist doch dies
10 Leben, mit dem jedes zufrieden ist, und seine Freude nichts anderes als die Idee
11 oder die Seele dieses Individuums, und folglich ist von Natur die Freude des
12 einen nur insofern von der Freude des anderen verschieden, als sich das Wesen
13 des einen von dem Wesen des anderen unterscheidet. Endlich folgt aus dem obigen
14 Lehrsatze, daß auch ein bedeutender Unterschied ist zwischen der Freude, von
15 welcher z. B. der Betrunkene hingerissen wird, und der Freude, welche sich der
16 Philosoph aneignet, was ich hier im Vorbeigehen bemerken wollte. – Dies von den
17 Affekten, die sich auf den Menschen beziehen, sofern er leidet; es ist nun noch
18 einiges von denen hinzuzufügen, die sich auf den Menschen beziehen, insofern er
19 tätig ist.
20 
21