3p56sc.md (1861B)
1 Unter den Arten der Affekte, deren (nach unserem Lehrsatz) sehr viele sein 2 müssen, sind die bedeutendsten: Schwelgerei, Völlerei, Wollust, Geiz und 3 Ehrsucht, welche nur Begriffe der Liebe oder Begierden sind, welche die Natur 4 dieser beiden Affekte durch die Objekte erklären, auf die sie sich beziehen. 5 Denn wir verstehen unter Schwelgerei, Völlerei, Wollust, Geiz und Ehrsucht 6 nichts anderes, als die unmäßige Liebe oder Begierde zum Schmausen, Zechen, 7 Begatten, zu Reichtum und Ruhm. Außerdem haben diese Affekte, sofern wir sie nur 8 durch das Objekt, worauf sie sich beziehen, von anderen unterscheiden, keine 9 ihnen entgegensetzte. Denn die Mäßigkeit, welche man der Schwelgerei, die 10 Nüchternheit, welche man der Völlerei, die Keuschheit, welche man der Wollust 11 entgegenzusetzen pflegt, sind keine Affekte oder Leidenschaften, sondern sie 12 zeigen die Macht der Seele an, die diese Affekte zügelt. Ich kann aber hier 13 weder die übrigen Arten der Affekte durchgehen (weil deren so viele sind, als 14 Arten der Objekte), noch würde es notwendig sein, wenn ich es könnte. Denn in 15 Beziehung auf das, was wir bezwecken, nämlich auf die Bestimmung der Kraft der 16 Affekte und der Macht des Geistes über dieselben, genügt es uns, die allgemeine 17 Definition jedes Affekts zu haben. Ich sage, es genügt uns, die gemeinsamen 18 Eigenschaften der Affekte und des Geistes zu erkennen, um bestimmen zu können, 19 wie und wie groß die Macht des Geistes in bezug auf die Mäßigung und 20 Einschränkung der Affekte ist. Obgleich daher eine große Verschiedenheit 21 zwischen dem einen und anderen Affekt, der Liebe, dem Hasse oder der Begierde, 22 ist, z.B. zwischen der Liebe gegen Kinder und zwischen der Liebe gegen die 23 Gattin; so haben wir doch hier nicht nötig, diese Verschiedenheiten kennen zu 24 lernen und die Natur und den Ursprung der Affekte weiter zu untersuchen. 25 26