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1 Diese Unlust, verbunden mit der Idee unserer Schwäche, heißt 2 Niedergeschlagenheit, die Lust aber, die aus der Betrachtung unserer selbst 3 entsteht, nennen wir Selbstliebe oder Selbstzufriedenheit. Und da dieses so oft 4 wiederholt wird, als der Mensch seine Tugenden oder sein Tätigkeitsvermögen 5 betrachtet, so will jeder gerne seine Handlungen erzählen und seine Geistes- und 6 Körperkräfte zur Schau stellen, und hierdurch sind die Menschen einander lästig. 7 Hieraus folgt wiederum, daß die Menschen von Natur neidisch sind (siehe Anm. zu 8 Lehrsatz 24 und Anm. zu Lehrsatz 32 dieses Teils), oder sich über die Schwäche 9 bei ihresgleichen freuen, dagegen über ihre Tugend Unlust empfinden. Denn so oft 10 jeder sich seine Taten vorstellt, so oft wird er (nach Lehrsatz 53 dieses Teils) 11 mit Lust affiziert, die um so größer ist, je mehr er sich vorstellt, daß seine 12 Taten Vollkommenheit ausdrücken, und je deutlicher er sich vorstellt, d.h. 13 (nach dem, was in der Anm. 1 zu Lehrsatz 40, T. 2 gesagt ist) je mehr er sie 14 voneinander unterscheiden und als Einzeldinge betrachten kann. Deshalb wird 15 jeder bei der Betrachtung seiner selbst sich dann am meisten freuen, wenn er 16 etwas an sich betrachtet, was er den übrigen abspricht. Wenn er aber das, was er 17 von sich bejaht, als zur allgemeinen Idee des Menschen oder des lebenden Wesens 18 gehörig ansieht, wird er keine große Freude haben, dagegen Unlust, wenn er sich 19 vorstellt, daß seine Taten mit denen anderer verglichen schwächer sind. Diese 20 Unlust wird er (nach Lehrsatz 28 dieses Teils) zu entfernen suchen, und zwar 21 dadurch, daß er die Taten seiner Nebenmenschen falsch auslegt oder die Seinigen 22 so viel als möglich ausschmückt. Es ergibt sich demnach, daß die Menschen von 23 Natur zu Haß und Neid geneigt sind. Hierzu kommt dann noch die Erziehung; denn 24 die Eltern pflegen die Kinder nur durch den Stachel der Ehre und des Neides zur 25 Tugend zu reizen. Vielleicht bleibt aber noch der Einwurf übrig, daß wir nicht 26 selten die Tugenden der Menschen bewundern und hochachten. Um also diesen zu 27 beseitigen, will ich noch diesen Folgesatz hinzufügen. 28 29