3p35sc.md (1561B)
1 Dieser mit Neid verbundene Haß gegen den geliebten Gegenstand heißt Eifersucht, 2 welche also nichts anderes ist, als das Schwanken der Seele, entsprungen aus Haß 3 und Liebe zugleich, verbunden mit der Idee eines anderen, den man beneidet. 4 Sodann wird dieser Haß gegen den geliebten Gegenstand größer sein, nach Maßgabe 5 der Lust, womit der Eifersüchtige durch die gegenseitige Liebe des geliebten 6 Gegenstandes affiziert zu werden pflegte, und auch nach Maßgabe des Affektes, 7 mit dem er gegen den affiziert war, mit welchem der geliebte Gegenstand sich 8 seiner Vorstellung nach vereinigt. Denn wenn er ihn haßte, wird er eben dadurch 9 den geliebten Gegenstand (nach Lehrsatz 24 dieses Teils) hassen, weil er sich 10 vorstellt, daß er das, was er selber haßt, mit Lust affiziert, und auch (nach 11 Folgesatz zu Lehrsatz 15 dieses Teils) deshalb, weil er gezwungen wird, die 12 Vorstellung des geliebten Gegenstandes mit der Vorstellung dessen, den er haßt, 13 zu verbinden. Dieses findet meist bei der Frauenliebe statt; denn wer sich 14 vorstellt, daß ein Weib, das er liebt, sich einem anderen preisgibt, wird nicht 15 bloß deshalb Unlust haben, weil sein Verlangen gehemmt wird, sondern er 16 verabscheut es auch, weil er die Vorstellung des geliebten Gegenstandes mit den 17 Schamteilen und den Entleerungen eines anderen zu verbinden gezwungen ist. 18 Hierzu kommt endlich, daß der Eifersüchtige nicht mit derselben Miene, die ihm 19 der geliebte Gegenstand zu zeigen pflegte, von diesem aufgenommen wird, und auch 20 darum hat der Liebende Unlust, wie ich gleich zeigen werde. 21 22