3p32sc.md (1266B)
1 Wir sehen also, daß es mit der Natur der Menschen meist so beschaffen ist, daß 2 man die, denen es schlecht geht, bemitleidet, und die, denen es wohl geht, 3 beneidet, und zwar (nach dem vorigen Lehrsatz) mit um so größerem Hasse, je mehr 4 man das Ding liebt, in dessen Besitz man sich einen anderen vorstellt. Wir sehen 5 ferner, daß aus derselben Eigenschaft der menschlichen Natur, aus welcher folgt, 6 daß die Menschen mitleidig sind, auch folgt, daß sie neidisch und ehrsüchtig 7 sind. Wenn wir endlich die Erfahrung selbst zu Rate ziehen wollen, werden wir 8 erfahren, daß sie selbst alles dieses lehrt, besonders wenn wir auf die früheren 9 Jahre unseres Lebens achten. Denn wir machen die Erfahrung, daß die Kinder, weil 10 ihr Körper beständig wie im Gleichgewichte ist, schon deshalb weinen oder 11 lachen, weil sie andere lachen oder weinen sehen, ferner wollen sie, was sie 12 andere tun sehen, sogleich nachahmen, und begehren schließlich alles für sich, 13 wodurch sie sich vorstellen, daß andere sich dessen erfreuen, weil nämlich die 14 Vorstellungen der Dinge, wie wir gesagt haben, die Affektionen des menschlichen 15 Körpers selbst sind, oder Modi, wodurch der menschliche Körper von äußeren 16 Ursachen affiziert und disponiert wird, dieses oder jenes zu tun. 17 18