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1 Wir sehen daher, daß der Geist große Veränderungen erleiden und bald zu 2 größerer, bald zu geringerer Vollkommenheit übergehen kann, und diese 3 Leidenschaften erklären uns die Affekte der Lust und Unlust. Unter Lust verstehe 4 ich also im folgenden die Leidenschaft, wodurch der Geist zu größerer 5 Vollkommenheit übergeht, unter Unlust aber die Leidenschaft, wodurch er zu 6 geringerer Vollkommenheit übergeht. Bezieht sich ferner der Affekt der Lust 7 zugleich auf Geist und Körper, nenne ich sie Wollust oder Wohlbehagen, den 8 Affekt der Unlust aber Schmerz oder Mißbehagen. Jedoch ist zu bemerken, daß 9 Wollust und Schmerz sich dann auf den Menschen beziehen, wenn ein Teil desselben 10 mehr als die übrigen affiziert ist, Wohlbehagen aber und Mißbehagen, wenn alle 11 gleichmäßig affiziert sind. Was sodann Begierde ist, habe ich in der Anmerkung 12 zu Lehrsatz 9 dieses Teils erklärt und außer diesen dreien erkenne ich keinen 13 anderen Grundaffekt an. Im folgenden werde ich zeigen, daß die anderen aus 14 diesen dreien entstehen. Ehe ich jedoch weiter gehe, will ich hier den Lehrsatz 15 10 dieses Teils weitläufiger erläutern, damit man deutlicher einsieht, auf 16 welche Weise eine Idee einer Idee entgegengesetzt ist. In der Anmerkung zu 17 Lehrsatz 17, Teil 2 haben wir gezeigt, daß die Idee, welche das Wesen des 18 Geistes ausmacht, das Dasein des Körpers so lange in sich schließt, als der 19 Körper selbst da ist. Ferner folgt aus dem, was wir in dem Folgesatz zu Lehrsatz 20 8, Teil 2 und in der Anmerkung dazu gezeigt haben, daß das gegenwärtige Dasein 21 unseres Geistes bloß davon abhängt, daß der Geist das wirkliche Dasein des 22 Körpers in sich schließt. Endlich haben wir gezeigt, daß das Vermögen des 23 Geistes, wodurch er sich die Dinge vorstellt und sich ihrer erinnert, auch davon 24 abhängt (siehe Lehrsatz 17 und 18, T. 2 mit der Anmerkung), daß er das wirkliche 25 Dasein des Körpers in sich schließt. Hieraus folgt, daß das gegenwärtige Dasein 26 des Geistes und sein Vorstellungsvermögen aufgehoben wird, sobald der Geist das 27 gegenwärtige Dasein des Körpers zu bejahen aufhört. Der Geist selbst kann aber 28 ebensowenig die Ursache sein, weshalb der Geist dieses Dasein des Körpers zu 29 bejahen aufhört (nach Lehrsatz 2 dieses Teils) als das, daß der Körper zu sein 30 aufhört. Denn (nach Lehrsatz 6, T. 2) ist die Ursache, weshalb der Geist das 31 Dasein des Körpers bejaht, nicht, weil der Körper angefangen hat, da zu sein. 32 Deshalb hört er auch aus demselben Grunde nicht auf, das Dasein des Körpers 33 selbst zu bejahen, weil der Körper zu sein aufhört, sondern (nach Lehrsatz 17, 34 T. 2) entspringt dies aus einer anderen Idee, welche das gegenwärtige Dasein 35 unseres Körpers und folglich unseres Geistes ausschließt, und welche daher der 36 Idee, welche das Wesen unseres Geistes ausmacht, entgegengesetzt ist. 37 38