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1 Man pflegt diese Begierde zum Begatten, mag sie gemäßigt sein oder nicht, 2 Wollust zu nennen. Weiter haben diese fünf Affekte (wie ich in der Anm. zu 3 Lehrsatz 56 dieses Teils erinnert habe) keinen Gegensatz. Denn die Leutseligkeit 4 ist eine Art der Ehrsucht (siehe Anm. zu Lehrsatz 29 dieses Teils); daß seiner 5 Mäßigkeit, Nüchternheit und Keuschheit eine Macht des Geistes, nicht aber eine 6 Leidenschaft anzeigen, ist schon erwähnt. Und wenn es auch möglich ist, daß der 7 Geizige, Ehrsüchtige oder Furchtsame sich des Übermaßes in Speise, Trank und 8 Begattung enthält, so sind dennoch Geiz, Ehrsucht und Furchtsamkeit der 9 Schwelgerei, Trunkenheit oder Wollust nicht entgegengesetzt. Denn der Geizige 10 sehnt sich gewöhnlich danach, sich in anderer Speise und Trank zu übernehmen; 11 der Ehrsüchtige aber wird, wenn er nur hoffen darf, daß es verborgen bleibt, 12 sich in keinem Ding mäßigen, und wenn er unter Trinkern und Wollüstigen lebt, 13 eben deshalb, weil er ehrsüchtig ist, mehr zu diesen Lastern geneigt sein, und 14 der Furchtsame schließlich tut das, was er nicht will. Der Geizige, obgleich er, 15 um den Tod zu vermeiden, seine Schätze in das Meer wirft, bleibt dennoch geizig, 16 und wenn der Wollüstling betrübt ist, weil er seiner Lebensweise nicht frönen 17 kann, hört er deshalb nicht auf, wollüstig zu sein. Überhaupt beziehen sich 18 diese Affekte nicht sowohl auf das wirkliche Schmausen, Zechen usw., als auf das 19 Verlangen und die Liebe selbst dazu. Es kann also diesen Affekten nichts 20 entgegengesetzt werden als Edelsinn und Seelenstärke, worüber im folgenden. 21 22 Die Definition der Eifersucht und der übrigen Seelenschwankungen übergehe ich, 23 teils weil alles dieses aus einer Zusammensetzung der schon definierten Affekte 24 entspringt, teils weil die meisten keine Namen haben; dies zeigt, daß es für den 25 Lebensgebrauch hinreicht, sie nur in allgemeinen Zügen zu kennen, übrigens ist 26 aus den Definitionen der Affekte, die wir erläutert haben, klar, daß sie 27 sämtlich aus der Begierde, der Lust oder Unlust entspringen, oder vielmehr, daß 28 es keine außer diesen dreien gibt, deren jeder mit verschiedenen Namen belegt zu 29 werden pflegt, je nach den verschiedenen Beziehungen und äußerlichen Merkmalen. 30 Wenn wir nun auf diese ursprünglichen und auf das, was wir oben von der Natur 31 des Geistes gesagt haben, unser Augenmerk lichten wollen, so können wir diese 32 Affekte, sofern sie sich nur auf den Geist beziehen, folgendermaßen definieren: 33 34