3ad32e.md (963B)
1 Wenn wir eines Dinges gedenken, werden wir, wie schon oft erwähnt, eben dadurch 2 disponiert, es aus demselben Affekt zu betrachten, als ob das Ding gegenwärtig 3 wäre. Diese Disposition oder dies Streben wird aber, solange wir wachen, meist 4 von den Vorstellungen der Dinge gezügelt, welche das Dasein dessen, welches wir 5 gedenken, ausschließen. Wenn wir daher an ein Ding denken, welches uns mit einer 6 Art von Lust erfüllt, so bestreben wir uns eben damit, es mit demselben Affekt 7 der Lust als gegenwärtig zu betrachten. Dies Streben wird jedoch alsbald von dem 8 Andenken an die Dinge gezügelt, welche das Dasein jenes Dinges ausschließen. 9 Daher ist Sehnsucht eigentlich Unlust, die jener Lust entgegengesetzt ist, 10 welche aus der Abwesenheit des gehaßten Dinges entspringt (siehe hierüber Anm. 11 zu Lehrsatz 47 dieses Teils). Weil aber die Benennung Sehnsucht sich auf 12 Begierde zu beziehen scheint, so rechne ich diesen Affekt zu den Affekten der 13 Begierde. 14 15