3ad31e.md (775B)
1 Siehe hierüber Anmerkung zu Lehrsatz 30 dieses Teils. Hier ist noch der 2 Unterschied zwischen Scham und Schüchternheit anzuführen. Scham ist die Unlust, 3 welche der Handlung folgt, deren wir uns schämen, Schüchternheit aber ist die 4 Furcht oder Besorgnis vor der Scham, wodurch der Mensch abgehalten wird, etwas 5 Schimpfliches zu begehen. Der Schüchternheit pflegt man die Unverschämtheit 6 entgegenzusetzen, die eigentlich kein Affekt ist, wie ich seines Ortes zeigen 7 werde; aber (wie ich schon erwähnt habe) die Benennungen der Affekte beziehen 8 sich mehr auf ihren Gebrauch als auf ihre Natur. Hiermit habe ich die Affekte 9 der Lust und Unlust, deren Auseinandersetzung ich mir vorgenommen hatte, 10 abgeschlossen. Ich gehe also zu denen über, die ich zur Begierde rechne. 11 12