ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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3ad29e.md (990B)


 1 Wir pflegen zwar oft dem Hochmut die Demut entgegenzusetzen; aber dann achten
 2 wir mehr auf die Wirkungen als auf die Natur beider. Denn wir pflegen den
 3 hochmütig zu nennen, der sich zu sehr rühmt (siehe Anm. zu Lehrsatz 30 dieses
 4 Teils), der von sich nur Tugenden und von anderen nur Fehler herzählt, der vor
 5 allen den Vorzug haben will, und der mit solcher Gravität und solchem Prunke
 6 auftritt, wie diejenigen, die weit über ihm stehen. Dagegen nennen wir den
 7 demütig, der öfter errötet, der seine Fehler eingesteht und die Tugenden anderer
 8 herzählt, der allen nachgibt, und der endlich mit gesenktem Haupte einhergeht
 9 und allen Schmuck verschmäht. Übrigens sind diese Affekte, nämlich Demut und
10 Kleinmut, sehr selten, denn die menschliche Natur, an sich betrachtet, strebt
11 ihnen aus allen Kräften entgegen (siehe Lehrsatz 13 und 54 dieses Teils). Daher
12 sind die, welche für die Demütigsten und Kleinmütigsten gehalten werden, häufig
13 am ehrsüchtigsten und neidischsten.
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