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1 Hieraus sehen wir, daß das unendliche Wesen Gottes und seine Ewigkeit allen 2 bekannt ist. Da aber alles in Gott ist und durch Gott begriffen wird, so folgt, 3 daß wir aus dieser Erkenntnis das meiste, was wir adäquat erkennen, ableiten und 4 so jene dritte Gattung der Erkenntnis bilden können, von welcher wir in der 5 Anmerkung 2 des 40. Lehrsatzes dieses Teils gesprochen haben und von deren 6 Vortrefflichkeit und Nützlichkeit im fünften Teile zu sprechen Gelegenheit sein 7 wird. Daß aber die Menschen keine ebenso klare Erkenntnis von Gott, wie von den 8 Gemeinbegriffen haben, kommt daher, weil sie sich Gott nicht wie die Körper 9 vorstellen können, und weil sie die Benennung Gott mit Vorstellungen von Dingen 10 verknüpft haben, welche sie zu sehen pflegen, was die Menschen kaum vermeiden 11 können, weil sie beständig von äußeren Körpern affiziert werden. In der Tat 12 bestehen auch die meisten Irrtümer bloß darin, daß wir die Benennungen nicht 13 recht den Dingen anpassen. Denn wenn jemand sagt, daß die Linien, welche aus dem 14 Mittelpunkte des Kreises nach seinem Umkreise führen, ungleich sind, so versteht 15 er wenigstens so lange gewiß etwas anderes unter Kreis, als die Mathematiker. So 16 haben die Leute, wenn sie bei dem Rechnen irren, andere Zahlen im Geiste, andere 17 auf dem Papier. In Betracht des Geistes also irren sie gewiß nicht; sie scheinen 18 jedoch zu irren, weil wir meinen, daß sie dieselben Zahlen im Geiste haben, 19 welche auf dem Papier stehen. Wäre dieses nicht, würden wir nicht glauben, sie 20 irrten sich; so wie ich nicht glaubte, der Mann irre sich, den ich neulich 21 ausrufen hörte, sein Hof sei auf das Huhn seines Nachbars hinaufgeflogen, weil 22 ich seinen Sinn ganz wohl zu verstehen glaubte. Hieraus nun entstehen die 23 meisten Streitigkeiten, weil nämlich die Leute ihren Sinn nicht recht deutlich 24 machen, oder weil sie des anderen Sinn falsch auslegen. Denn in der Tat, während 25 sie sich am meisten widersprechen, denken sie entweder dasselbe oder etwas 26 anderes, so daß dasjenige, was sie bei einem anderen für Irrtum und 27 Widersinnigkeit halten, es nicht ist. 28 29