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1 Aus allem oben Gesagten erhellt klar, daß wir vieles auffassen und 2 Allgemeinbegriffe bilden. 3 4 1. Aus den Einzeldingen, die durch die Sinne verstümmelt, verworren und ohne 5 Ordnung sich dem Verstand darstellen (siehe Folgesatz zu Lehrsatz 29 dieses 6 Teils); deshalb pflege ich solche Auffassungen eine Erkenntnis aus 7 unsicherer Erfahrung zu nennen. 8 9 2. Aus Zeichen, z. B. daraus, daß wir uns beim Hören oder Lesen gewisser Worte 10 der Dinge wieder erinnern, und gewisse Ideen von ihnen bilden, ähnlich 11 denen, durch welche wir die Dinge vorstellen (siehe Anm. zu Lehrsatz 18 12 dieses Teils). Diese beiden Arten, die Dinge anzusehen, werde ich in der 13 Folge Erkenntnis der ersten Gattung, Meinung oder Vorstellung nennen. 14 15 3. Endlich daraus, daß wir Gemeinbegriffe und adäquate Ideen der Eigenschaften 16 der Dinge haben (siehe Folgesatz zu Lehrsatz 38 und 39 mit dem Folgesatz und 17 Lehrsatz 40 dieses Teils). Diese Art werde ich Vernunft und Erkenntnis der 18 zweiten Gattung nennen. – 19 20 Außer diesen beiden Gattungen der Erkenntnis gibt es, wie ich im folgenden 21 zeigen werde, noch eine andere dritte, welche wir das intuitive Wissen nennen 22 wollen, und diese Gattung des Erkennens schreitet von der adäquaten Idee des 23 formalen Wesens einiger Attribute Gottes bis zu der adäquaten Erkenntnis des 24 Wesens der Dinge vor. Alles dies will ich durch ein Beispiel erläutern. Es seien 25 z. B. drei Zahlen gegeben, um die vierte zu erhalten, welche sich zur dritten 26 verhält, wie die zweite zur ersten. Ein Kaufmann wird sich nicht bedenken und 27 die zweite und dritte multiplizieren, und das Produkt durch die erste 28 dividieren, weil er nämlich das, was er von dem Lehrer ohne irgendeinen Beweis 29 gehört, noch nicht vergessen hat, oder weil er es oft bei den einfachsten Zahlen 30 erfahren hat, oder auch aus dem Beweise des Lehrsatzes 19 im Buche 7 des Euklid, 31 nämlich aus der gemeinsamen Eigenschaft der Proportionen. Bei den einfachsten 32 Zahlen aber bedarf es nichts dergleichen, z. B. bei den Zahlen l, 2, 3 sieht 33 jeder, daß die vierte Proportionale 6 ist, und zwar viel klarer, weil wir aus 34 dem Verhältnisse der ersten Zahl zur zweiten, das wir auf den ersten Blick 35 wahrnehmen, die vierte selbst erschließen. 36 37