ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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 1 Hiermit habe ich den Grund derjenigen Begriffe auseinandergesetzt, welche
 2 Gemeinbegriffe genannt werden, und die die Grundlagen unseres Schließens sind.
 3 Es gibt aber von einigen Axiomen oder Begriffen noch andere Ursachen, welche
 4 nach dieser unserer Methode auseinandergesetzt zu werden verdienten, da sich aus
 5 ihnen selbst ergeben würde, welche Begriffe nützlicher sind als die anderen, und
 6 welche dagegen fast von gar keinem Nutzen sind; sodann, welche gemeinsam und
 7 welche nur denen, die von Vorurteilen frei sind, klar und deutlich, und welche
 8 endlich schlecht begründet sind. Außerdem würde sich ergeben, woher die
 9 Begriffe, welche man die der zweiten Ordnung nennt und folglich die Axiome, die
10 auf ihnen beruhen, ihren Ursprung genommen haben und noch mehreres der Art,
11 worüber ich manchmal nachgedacht habe. Doch, da ich dies einer anderen
12 Abhandlung bestimmt habe und auch nicht durch allzu große Weitläufigkeit des
13 Gegenstandes lästig fallen möchte, habe ich mir vorgenommen, hier darüber
14 hinwegzugehen. Um dennoch nichts auszulassen, was zu wissen notwendig ist, will
15 ich die Ursachen kurz hinzufügen, aus welchen die sogenannten transzendentalen
16 Ausdrücke entsprungen sind, wie: das Seiende, das Ding, das Etwas. Diese
17 Ausdrücke entstehen daher, daß der menschliche Körper als beschränkter nur eine
18 gewisse Anzahl von Vorstellungen (was Vorstellung sei, habe ich in der Anmerkung
19 zu Lehrsatz 17 dieses Teils erläutert) auf einmal deutlich in sich zu bilden
20 vermag. Wird diese Anzahl überschritten, so fangen diese Vorstellungen an, sich
21 zu verwirren, und wenn diese Zahl der Vorstellungen, welche der Körper auf
22 einmal deutlich in sich zu bilden fähig ist, weit überschritten wird, so werden
23 sich alle gänzlich untereinander verwirren. Da sich dies so verhält, so ergibt
24 sich (aus Folgesatz zu Lehrsatz 17 und Lehrsatz 18 dieses Teils): daß der
25 menschliche Geist sich so viel Körper auf einmal deutlich wird vorstellen
26 können, als sich in seinem Körper Vorstellungen auf einmal bilden können. Wenn
27 aber die Vorstellungen sich im Körper gänzlich verwirren, wird auch der Geist
28 alle Körper verworren, ohne irgendeine Unterscheidung, vorstellen und wie unter
29 einem Attribute zusammenfassen, nämlich unter dem Attribute des Seienden, des
30 Dings usw. usw. Man kann dies auch daraus ableiten, daß die Vorstellungen nicht
31 immer gleich stark sind, und aus anderen analogen Ursachen, die ich hier nicht
32 auszuführen brauche; denn in bezug auf den Zweck, den wir im Auge haben, genügt
33 es, bloß eine zu betrachten. Denn alle kommen darauf zurück, daß diese Ausdrücke
34 im höchsten Grade verworrene Ideen bezeichnen. Aus ähnlichen Ursachen sind
35 ferner die Begriffe entstanden, welche man Allgemeinbegriffe (Universalien)
36 nennt; wie Mensch, Pferd, Hund u. dgl., weil nämlich in dem menschlichen Körper
37 sich so viele Vorstellungen, z. B. der Menschen, auf einmal bilden, daß sie die
38 Vorstellungskraft, wenn auch nicht gänzlich, doch so weit überragen, daß der
39 Geist die kleinen Verschiedenheiten der einzelnen (nämlich Farbe, Größe eines
40 jeden u. dgl.) und ihre bestimmte Zahl nicht vorstellen kann, und nur das, worin
41 alle, insofern der Körper von ihnen affiziert wird, übereinkommen, sich deutlich
42 vorstellt. Denn davon, nämlich hauptsächlich von jedem einzelnen ist der Körper
43 affiziert, und das drückt er mit dem Worte Mensch aus, und legt dies dann auch
44 unendlich vielen einzelnen bei. Dann kann er sich, wie gesagt, die bestimmte
45 Zahl der einzelnen nicht vorstellen. Aber es ist zu bemerken, daß diese Begriffe
46 nicht von allen auf dieselbe Weise gebildet werden, sondern bei einem jeden
47 verschieden sind, je nach Maßgabe des Dinges, wovon der Körper öfters affiziert
48 worden ist, und welches der Geist sich leichter vorstellt oder erinnert. Wer
49 z.B. öfter mit Bewunderung die Haltung der Menschen betrachtet hat, versteht
50 unter dem Worte Mensch ein Tier von aufrechter Haltung. Wer aber gewohnt ist,
51 etwas anderes zu betrachten, wird eine andere gemeinsame Vorstellung der
52 Menschen bilden, wie etwa, daß der Mensch ein lachendes oder ein zweifüßiges,
53 oder ein federloses, oder ein vernünftiges Tier sei. So wird im übrigen jeder
54 nach der Disposition seines Körpers allgemeine Vorstellungen von den Dingen
55 bilden. Deshalb ist es kein Wunder, daß unter den Philosophen, welche die
56 natürlichen Dinge durch die bloßen Vorstellungen der Dinge haben erklären
57 wollen, so viele Streitigkeiten entstanden sind.
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