2p17csc.md (2547B)
1 Wir sehen daher, wie es möglich ist, daß wir, wie es oft geschieht, das, was 2 nicht ist, als gegenwärtig betrachten. Es kann sein, daß dies aus anderen 3 Ursachen erfolgt, aber es genügt mir hier, eine aufgezeigt zu haben, durch 4 welche ich die Sache ebenso erklären kann, als hätte ich sie aus ihrer wahren 5 Ursache abgeleitet. Doch glaube ich nicht weit von der wahren entfernt zu sein, 6 da alle jene Postulate, welche ich angenommen habe, schwerlich etwas enthalten, 7 was nicht durch die Erfahrung entschieden wäre, an der wir nicht zweifeln 8 dürfen, nachdem wir gezeigt haben, daß der menschliche Körper, wie wir ihn 9 wahrnehmen, existiert (siehe Folgesatz nach Lehrsatz 13 dieses Teils). Außerdem 10 sehen wir (nach dem vorigen Folgesatz und Folgesatz 2 zu Lehrsatz 16 dieses 11 Teils) deutlich ein, welcher Unterschied zwischen der Idee z. B. von dem Peter 12 ist, welche das geistige Wesen des Peter selbst ausmacht, und zwischen der Idee 13 des Peter selbst, welche in einem anderen Menschen, etwa in Paul, ist. Denn jene 14 drückt direkt das Wesen des Körpers des Peter selbst aus, und schließt das 15 Dasein nur ein, solange der Peter da ist; diese aber zeigt mehr den Zustand des 16 Körpers des Paul an, als die Natur des Peter, und folglich wird der Geist des 17 Paul, solange jener Zustand des Körpers des Paul dauert, doch den Peter, wenn er 18 auch nicht da ist, als sich gegenwärtig betrachten. Ferner, um die gewohnten 19 Ausdrücke beizubehalten, wollen wir die Affektionen des menschlichen Körpers, 20 deren Ideen uns die äußeren Körper als uns gegenwärtige, darstellen, Bilder der 21 Dinge nennen, obgleich sie die Gestalten der Dinge nicht wiedergeben. Und wenn 22 der Geist die Körper auf diese Weise betrachtet, sagen wir, er habe eine 23 Vorstellung. Um also die Erklärung, was der Irrtum ist, zu beginnen, wünsche 24 ich, daß man hier bemerke, daß die Vorstellungen des Geistes, an sich 25 betrachtet, keinen Irrtum enthalten, oder daß der Geist darum, weil er 26 vorstellt, nicht irre, sondern nur, insofern man ihn als der Idee ermangelnd 27 betrachtet, welche das Dasein jener Dinge, die er sich als gegenwärtig 28 vorstellt, ausschließt. Denn wenn der Geist, indem er nichtdaseiende Dinge als 29 ihm gegenwärtige vorstellt, zugleich wüßte, daß diese Dinge wirklich nicht da 30 wären, so würde er gewiß dieses Vorstellungsvermögen einem Vorzug, nicht aber 31 einem Fehler seiner Natur zuschreiben, zumal wenn dieses Vorstellungsvermögen 32 von seiner Natur allein abhinge, d.h. (nach Def. 7, T. 1) wenn dieses 33 Vorstellungsvermögen des Geistes frei wäre. 34 35