ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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2p10csc.md (2254B)


 1 Allgemein muß zugestanden werden, daß ohne Gott nichts sein, noch begriffen
 2 werden kann. Denn alle gestehen, daß Gott die einzige Ursache aller Dinge,
 3 sowohl ihres Wesens, als ihres Daseins ist, d.h. Gott ist nicht nur die Ursache
 4 der Dinge, rücksichtlich des Werdens, wie man zu sagen pflegt, sondern auch
 5 rücksichtlich des Seins. Indessen sagen doch die meisten, das gehöre zu dem
 6 Wesen eines Dinges, ohne welches das Ding weder sein, noch begriffen werden
 7 kann; demnach, meinen sie, gehört die Natur Gottes entweder zum Wesen der
 8 geschaffenen Dinge, oder die geschaffenen Dinge könnten ohne Gott entweder sein
 9 oder begriffen werden, oder, was wohl das Wahrscheinlichste ist, sie sind sich
10 selbst nicht recht darüber klar. Der Grund hiervon liegt, glaube ich, darin,
11 weil sie sich nicht an die Ordnung im Philosophieren gehalten haben. Denn die
12 göttliche Natur, welche sie vor allem in Betracht ziehen mußten, weil sie sowohl
13 der Erkenntnis als der Natur nach die erste in der Reihe der Erkenntnis ist,
14 haben sie für die letzte, und die Dinge, welche Objekte der Wahrnehmungen
15 genannt werden, für die ersten von allen gehalten. Daher kam es, daß, während
16 sie die natürlichen Dinge betrachteten, sie an nichts weniger als an die
17 göttliche Natur dachten, und daß sie nachher, als sie sich zur Betrachtung der
18 göttlichen Natur wendeten, an nichts weniger denken konnten, als an ihre ersten
19 Phantasiegebilde, worauf sie die Erkenntnis der natürlichen Dinge gebaut hatten,
20 die ihnen also zur Erkenntnis der göttlichen Natur nichts helfen konnten. Es ist
21 demnach kein Wunder, wenn sie sich öfters widersprechen. Doch, lassen wir das.
22 Es war hier bloß meine Absicht, einen Grund anzugeben, warum ich nicht gesagt
23 habe, das gehöre zu dem Wesen eines Dinges, ohne welches das Ding weder sein
24 noch begriffen werden kann, weil nämlich die Einzeldinge ohne Gott weder sein,
25 noch begriffen werden können, und dennoch Gott nicht zu ihrem Wesen gehört,
26 sondern dasjenige, sagte ich, macht notwendig das Wesen eines Dinges aus,
27 wodurch, wenn es gegeben ist, das Ding gesetzt, und wodurch, wenn es aufgehoben,
28 das Ding aufgehoben wird, oder das, ohne welches das Ding, und umgekehrt, was
29 ohne das Ding weder sein noch begriffen werden kann.
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