ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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1p21d.md (2625B)


 1 Man nehme (wenn man es leugnen will), möglicherweise an, daß aus der absoluten
 2 Natur eines göttlichen Attributs etwas erfolge, was endlich ist und ein
 3 begrenztes Dasein oder Dauer hat, z. B. die Idee Gottes im Denken. Nun ist aber
 4 das Denken, da es als Attribut Gottes angenommen wird, notwendig (nach
 5 Lehrsatz 11) seiner Natur nach unendlich; insofern es aber die Idee Gottes hat,
 6 wird es als endlich angenommen. Aber (nach Def. 2) kann es als endlich nur
 7 begriffen werden, wenn es durch das Denken selbst begrenzt wird; jedoch nicht
 8 durch das Denken selbst, insofern es die Idee Gottes ausmacht; denn insofern
 9 wird es eben als endlich angenommen; also durch das Denken, insofern es die Idee
10 Gottes nicht ausmacht, welches dennoch (nach Lehrsatz 11) notwendig da sein muß.
11 Es gibt also ein Denken, welches nicht die Idee Gottes ausmacht, und darum folgt
12 nicht aus seiner Natur, insofern es absolutes Denken ist, notwendig die Idee
13 Gottes. (Denn es wird ein die Idee Gottes ausmachendes und ein sie nicht
14 ausmachendes angenommen.) Dies ist gegen die Voraussetzung. Wenn also die Idee
15 Gottes im Denken, oder sonst etwas (es ist gleich, was man annimmt, denn der
16 Beweis ist allgemein) in einem Attribute Gottes aus der Notwendigkeit der
17 absoluten Natur des Attributs selbst folgt, so muß es notwendig unendlich sein.
18 Dies war das erste. Ferner kann das, was aus der Notwendigkeit der Natur eines
19 Attributes auf diese Weise erfolgt, keine begrenzte Dauer haben. Denn, leugnet
20 man dies, so nehme man an, es wäre ein Ding, welches aus der Notwendigkeit der
21 Natur eines Attributes folgt, in einem Attribute Gottes vorhanden, z. B. die
22 Idee Gottes im Denken und von dieser nehme man an, sie sei einmal nicht
23 dagewesen, oder werde einmal nicht da sein. Da nun aber das Denken als ein
24 Attribut Gottes angenommen wird, muß es auch notwendig und unveränderlich da
25 sein (nach Lehrsatz 11 und Folgesatz 2 zu Lehrsatz 20). Sonach müßte das Denken
26 ohne die Idee Gottes über die Grenzen der Dauer der Idee Gottes hinaus da sein;
27 denn es wird angenommen, sie sei einmal nicht da gewesen oder werde nicht da
28 sein. Dies ist aber gegen die Voraussetzung, denn es wird angenommen, daß aus
29 dem gegebenen Denken die Idee Gottes notwendig erfolge. Also kann die Idee
30 Gottes im Denken, oder sonst etwas, was notwendig aus der absoluten Natur eines
31 göttlichen Attributes folgt, keine begrenzte Dauer haben, sondern ist durch eben
32 dieses Attribut ewig. Dies war das zweite. Zu bemerken ist, daß eben dies auch
33 von jeder anderen Sache behauptet werden muß, die in einem Attribute Gottes aus
34 der absoluten Natur Gottes notwendig erfolgt.
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