1p21d.md (2625B)
1 Man nehme (wenn man es leugnen will), möglicherweise an, daß aus der absoluten 2 Natur eines göttlichen Attributs etwas erfolge, was endlich ist und ein 3 begrenztes Dasein oder Dauer hat, z. B. die Idee Gottes im Denken. Nun ist aber 4 das Denken, da es als Attribut Gottes angenommen wird, notwendig (nach 5 Lehrsatz 11) seiner Natur nach unendlich; insofern es aber die Idee Gottes hat, 6 wird es als endlich angenommen. Aber (nach Def. 2) kann es als endlich nur 7 begriffen werden, wenn es durch das Denken selbst begrenzt wird; jedoch nicht 8 durch das Denken selbst, insofern es die Idee Gottes ausmacht; denn insofern 9 wird es eben als endlich angenommen; also durch das Denken, insofern es die Idee 10 Gottes nicht ausmacht, welches dennoch (nach Lehrsatz 11) notwendig da sein muß. 11 Es gibt also ein Denken, welches nicht die Idee Gottes ausmacht, und darum folgt 12 nicht aus seiner Natur, insofern es absolutes Denken ist, notwendig die Idee 13 Gottes. (Denn es wird ein die Idee Gottes ausmachendes und ein sie nicht 14 ausmachendes angenommen.) Dies ist gegen die Voraussetzung. Wenn also die Idee 15 Gottes im Denken, oder sonst etwas (es ist gleich, was man annimmt, denn der 16 Beweis ist allgemein) in einem Attribute Gottes aus der Notwendigkeit der 17 absoluten Natur des Attributs selbst folgt, so muß es notwendig unendlich sein. 18 Dies war das erste. Ferner kann das, was aus der Notwendigkeit der Natur eines 19 Attributes auf diese Weise erfolgt, keine begrenzte Dauer haben. Denn, leugnet 20 man dies, so nehme man an, es wäre ein Ding, welches aus der Notwendigkeit der 21 Natur eines Attributes folgt, in einem Attribute Gottes vorhanden, z. B. die 22 Idee Gottes im Denken und von dieser nehme man an, sie sei einmal nicht 23 dagewesen, oder werde einmal nicht da sein. Da nun aber das Denken als ein 24 Attribut Gottes angenommen wird, muß es auch notwendig und unveränderlich da 25 sein (nach Lehrsatz 11 und Folgesatz 2 zu Lehrsatz 20). Sonach müßte das Denken 26 ohne die Idee Gottes über die Grenzen der Dauer der Idee Gottes hinaus da sein; 27 denn es wird angenommen, sie sei einmal nicht da gewesen oder werde nicht da 28 sein. Dies ist aber gegen die Voraussetzung, denn es wird angenommen, daß aus 29 dem gegebenen Denken die Idee Gottes notwendig erfolge. Also kann die Idee 30 Gottes im Denken, oder sonst etwas, was notwendig aus der absoluten Natur eines 31 göttlichen Attributes folgt, keine begrenzte Dauer haben, sondern ist durch eben 32 dieses Attribut ewig. Dies war das zweite. Zu bemerken ist, daß eben dies auch 33 von jeder anderen Sache behauptet werden muß, die in einem Attribute Gottes aus 34 der absoluten Natur Gottes notwendig erfolgt. 35 36