ethica

Spinozas ethics and various translations, edited for easy post processing.
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1p11a1.md (2355B)


 1 Von jedem Dinge muß eine Ursache oder ein Grund bezeichnet werden, sowohl warum
 2 es da ist, als auch warum es nicht da ist. Z. B. wenn das Dreieck da ist, muß es
 3 einen Grund oder eine Ursache geben, warum es da ist; wenn es aber nicht da ist,
 4 muß es auch einen Grund oder eine Ursache geben, welche verhindert, daß es da
 5 ist, oder welche sein Dasein aufhebt. Dieser Grund oder diese Ursache muß aber
 6 entweder in der Natur des Dinges, oder außerhalb derselben liegen. Z. B. der
 7 Grund, warum es keinen viereckigen Kreis gibt, wird von seiner Natur angegeben,
 8 nämlich weil das einen Widerspruch enthält. Hingegen warum die Substanz da ist,
 9 folgt aus ihrer bloßen Natur, weil sie nämlich das Dasein in sich schließt
10 (siehe Lehrsatz 7). Der Grund aber, warum der Kreis oder das Dreieck da sind,
11 oder, warum sie nicht da sind, folgt nicht aus ihrer Natur, sondern aus der
12 Ordnung der ganzen Körperwelt; denn aus dieser muß folgen, daß entweder das
13 Dreieck notwendig bereits da ist, oder daß es unmöglich ist, daß es jetzt
14 existiert. Dies ist an sich klar. Hieraus folgt, daß dasjenige notwendig da ist,
15 wovon es keinen Grund und keine Ursache gibt, die dasselbe hinderte, da zu sein.
16 Wenn es daher keinen Grund und keine Ursache geben kann, welche hinderten, daß
17 Gott da ist, oder welche sein Dasein aufheben, so ist durchaus zu schließen, daß
18 er notwendig da ist. Wenn es aber einen solchen Grund oder eine solche Ursache
19 gäbe, so müßte es sie entweder in Gottes Natur selbst, oder außerhalb derselben
20 geben, d.h. in einer anderen Substanz von fremder Natur. Denn wäre sie von
21 derselben Natur, so wird eben dadurch zugestanden, daß es Gott gibt. Eine
22 Substanz aber, die von fremder Natur wäre, könnte nichts mit Gott gemein haben
23 (nach Lehrsatz 2), mithin dessen Dasein weder setzen noch aufheben. Da es also
24 einen Grund oder eine Ursache, die das göttliche Dasein aufhöben, nicht
25 außerhalb der göttlichen Natur geben kann, so wird sie, wenn er nämlich nicht da
26 ist, notwendig in seiner Natur selbst liegen müssen, was demnach einen
27 Widerspruch enthielte. Aber dies von dem absolut unendlichen und höchst
28 vollkommenen Seienden zu behaupten, ist widersinnig, und deshalb gibt es weder
29 in Gott, noch außer Gott irgendeinen Grund oder eine Ursache, welche sein Dasein
30 aufhöbe, und folglich existiert Gott notwendig. W.z.b.w.
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