1p10sc.md (1471B)
1 Hieraus erhellt, daß, wenn auch zwei Attribute als real verschieden begriffen 2 werden, das heißt eines ohne Vermittlung des andern, wir daraus doch nicht 3 schließen können, daß sie zwei Seiende oder zwei verschiedene Substanzen bilden; 4 denn es gehört zur Natur der Substanz, daß jedes ihrer Attribute aus sich 5 begriffen werde, da alle Attribute, welche sie hat, in ihr immer zugleich waren 6 und eines nicht von dem anderen hervorgebracht werden konnte, sondern jedes die 7 Realität oder das Sein der Substanz ausdrückt. Weit entfernt also, daß es 8 widersinnig wäre, einer Substanz mehrere Attribute zuzuschreiben, ist vielmehr 9 in der Natur nichts klarer, als daß jedes Seiende unter einem Attribute 10 begriffen werden müsse, und daß je mehr Realität oder Sein es habe, es auch 11 desto mehr Attribute habe, welche Notwendigkeit oder Ewigkeit und Unendlichkeit 12 ausdrücken, und folglich ist auch nichts klarer, als daß das absolut unendlich 13 Seiende notwendig definiert werden müsse (wie wir Def. 6 getan) als das Seiende, 14 welches aus unendlich vielen Attributen besteht, von denen jedes eine ewige und 15 unendliche bestimmte Wesenheit ausdrückt. Fragt man aber, durch welches 16 Kennzeichen wir also die Verschiedenheit der Substanzen unterscheiden können, so 17 lese man die folgenden Lehrsätze, welche zeigen, daß es in der Natur der Dinge 18 nur eine Substanz gibt und daß diese absolut unendlich ist, weshalb man nach 19 einem solchen Kennzeichen umsonst suchen würde. 20 21